BALTIKUM

Estland – kein Superlativ, aber es gibt viel zu sehen!

03.10.2023 von Meiky

Wir verließen Lettland über eine kleine Schotterpiste und erspähten etwa zehn Kilometer nach der Grenze drei Wölfe. Leider waren sie recht weit von uns entfernt und die Fotos sind auch nicht sehr gut geworden, aber immerhin: Man erkennt, dass es Wölfe sind. Nur einen Tag davor sah ich bei Abenddämmerung aus dem Augenwinkel etwas… Erster kurzer Blick -> ein Kätzchen…, zweiter Blick -> oh, ein sehr großes Kätzchen. Dann sagte ich zu Micha: „Komm langsam raus, da ist ein Luchs“.

 

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Lettland – ist mal echt schön!

02.09.2023 von Meiky

Das Baltikum kurz erklärt:

Von Nord nach Süd kommen die Länder: Estland, Lettland und Litauen mit ihren Hauptstädten Tallinn, Riga und Vilnius. Insgesamt gibt es etwa sechs Mio. Einwohner auf einer Fläche von fast der Hälfte Deutschlands. Die drei baltischen Länder verbindet eine gemeinsame Geschichte: Sie wurden lange Zeit von der Sowjetunion unterdrückt und besetzt; zwischen 1940 und 1944 vom Deutschen Reich. Ab Oktober 1944 wurde die deutsche Wehrmacht von der Roten Armee vertrieben.

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Litauen – hat nicht nur gutes Essen

13.08.2023 von Meiky

Noch vor sechs Wochen konnte ich die Baltischen Länder Litauen, Lettland und Estland auf einer Landkarte nicht richtig zuordnen, geschweige denn die dazugehörigen Hauptstädte benennen. Langsam gelingt es uns.

Beginnend mit der nicht mehr physisch greifbaren Grenze änderte sich schlagartig die Umgebung. An den Häusern merkte man schnell, dass man sich im Baltikum befindet. Die typischen Holzhäuser sehen bereits etwas skandinavisch aus. Weiterlesen ...


 

Estland – kein Superlativ, aber es gibt viel zu sehen!

03.10.2023 von Meiky

Wir verließen Lettland über eine kleine Schotterpiste und erspähten etwa zehn Kilometer nach der Grenze drei Wölfe. Leider waren sie recht weit von uns entfernt und die Fotos sind auch nicht sehr gut geworden, aber immerhin: Man erkennt, dass es Wölfe sind. Nur einen Tag davor sah ich bei Abenddämmerung aus dem Augenwinkel etwas… Erster kurzer Blick -> ein Kätzchen…, zweiter Blick -> oh, ein sehr großes Kätzchen. Dann sagte ich zu Micha: „Komm langsam raus, da ist ein Luchs“. Ja, tatsächlich lief in 30 Metern Entfernung ein Luchs an uns vorbei. Zeit, um den Fotoapparat zu holen, blieb uns leider nicht. Daher gibt es auch leider kein Foto. Aber wir konnten sicher erkennen, dass es ein Luchs war. Groß, bärtiges Gesicht, puschelige Ohren und kleiner schwarzer Stummelschwanz. Wahrscheinlich war es das erste und das letzte Mal, dass wir einen Luchs in freier Wildbahn gesehen haben. Diese Tiere sind extrem scheu.

Wie auch in Lettland, gibt es in Estland zahlreiche Hochmoore, wie den Soomaa Nationalpark. Rings um das Hochmoor befindet sich eine mit Flüssen durchzogene Sumpflandschaft. Der Nationalpark ist bekannt für seine fünfte Jahreszeit. Nach der Schneeschmelze ist das ganze Gebiet durch die Flüsse überflutet, so dass man das Hochmoor nur noch mit einem Kayak erreichen kann. Im National Park ist der Eintritt frei. Es gibt zahlreiche Picknickplätze mit Feuerstellen, bei den man auch kostenfrei übernachten darf. Zusätzlich stellt der RMK, der Estnische Forstbetrieb viele kostenfreie Übernachtungsplätze im ganzen Land zur Verfügung. Sie sind ausgestattet mit Bänken, Toiletten, Feuerholz und Grillstellen, zudem sind sie immer super sauber. Wir nutzten diese aber nur zwei Mal, da man selten alleine ist und auch wollten wir den Einheimischen nicht ihre Plätze wegnehmen. In der Hauptsaison werden die Plätze ohnehin schon von ausländischen Campern okkupiert.

Nach unserem Besuch des Nationalparks war es leider etwas regnerischer. Wir entschieden uns, mit der Fähre zu der Insel Muhu und Saaremaa überzusetzen, um dort das schlechte Wetter abzuwarten. Saaremaa ist mit 2600 km² die größte Insel Estlands und entspricht damit ziemlich genau einem Saarl. Die kurzen Strecken auf den Inseln waren ideal um sich in den Regenpausen etwas anzuschauen. Auf Muhu besichtigten wir ein kleines Freilichtmuseum. Alle Bauernhäuser, die dort stehen, waren schon immer vor Ort und wurden, wie so oft, nicht erst dorthin transportiert und wieder aufgebaut. Zum Teil waren sie auch noch bewohnt, so dass man sie nur von außen sehen konnte. Auf Saaremaa besichtigten wir neben Leuchttürmen die Bockwindmühlen von Angla, die auch das Wahrzeichen repräsentieren. Am Anfang des 19 Jahrhunderts hatte fast jedes Gehöft seine eigene Mühle, um das Getreide zu mahlen. Alleine auf der Insel gab es fast 800 dieser Mühlen. Jetzt sieht man nur noch sehr wenige in ganz Estland. Die beiden Inseln sind kaum bis ganz wenig besiedelt, gerade einmal 3% der Bevölkerung leben dort. Bei der Inselhauptstadt Kuressaare machten wir Halt zum Einkauf und besuchten die einzige Sehenswürdigkeit, die Bischofsburg aus dem Jahr 1380. Im Norden gibt es noch die Steilküste von Panga. Naja, hoch ist die Felsenküste nicht, maximal 22 Meter; aber dennoch schön. Im Zentrum der Insel befinden sich acht Meteoritenkrater, die etwa 4000 Jahre alt sind.

Auf einer Halbinsel Saaremaa´s erstreckt sich das selbsternannte Königreich Torgu. Nach dem Zerfall der Sowjetunion hat Estland bei der Volkszählung und Wiedereingliederung die Einwohner auf der Halbinsel vergessen. Die Einwohner bemerkten das und anstatt dies zu reklamieren, gründetet sie kurzum ihr eigenes kleines Königreich. Selbstverständlich hat aber mittlerweile jeder ein Estnischen Pass und wurde nachträglich mitaufgenommen. Und eine weiter Kuriosität: In Estland werden Hanfpflanzen angebaut, deren THC Gehalt aber weit unter den europäischen Richtlinien ist. Geht man jedoch ein paar Minten durch die Felder und setzt sich danach ins Auto, riecht die ganze Karre nach dem Zeug!

Weiter ging es mit der Fähre zur nächsten Insel Hiiumaa, die zweitgrößte Estlands. Die Insel ist zu 60% bewaldet und etwa 7% ist mit Sümpfen bedeckt. Dennoch beschränken sich die Sehenswürdigkeiten nicht nur auf ein paar Leuchttürme und auf die Küstenlinie. Im Landesinneren gibt es zum Beispiel alte sowjetische Bunkeranlagen. Mitten in den Wäldern erstreckt sich zudem einen kleine Wüstenlandschaft mit weißem Sand. Kaum zu glauben, dass mitten im Wald so etwas entstehen kann. Etwas vergleichbares haben wir so auch noch nie gesehen. Wie auch in Litauen gibt es in Estland auf der Insel Hiiumaa bei Ristimägi einen Berg der Kreuze, wenn auch weit nicht so spektakulär. Die Kreuze müssen aus natürlichen Materialien bestehen und zusammengebunden werden. Der Grund dafür ist, dass sich die Deportierten im Jahre 1780 hier zum letzten Mal zu einem Gottesdienst trafen und Kreuze errichteten. Heute ist es genau umgekehrt. Besucher, die zum ersten Mal auf Hiiumaa sind, errichten hier ein Kreuz.

An den Küsten gibt es zwei interessante Leuchttürme: Zum einen den Leuchtturm Kõpu, dessen Inbetriebnahme schon im Jahre 1531 erfolgte und er somit zu den ältesten Leuchttürmen der Welt zählt. 1659 wurde der Leuchtturm auf seine heutige Höhe von 36 Metern erweitert. Er steht auf der höchsten Erhebung der Insel, sodass sich das Leuchtfeuer auf 102 Metern Höhe befindet. Ein weiterer Leuchtturm steht in einem Naturschutzgebiet und kann nur zu Fuß oder per Fahrrad, innerhalb von vier Kilometern, erreicht werden. Er steht mittlerweile im Wasser und droht bald umzukippen, da er auf losem Sandboden errichtet wurde. Wir sind gespannt, wie lange er noch stehen wird, da er schon etwas in Schieflage geraten ist. Auf der Halbinsel Tahkuna steht nicht nur der gleichnamige Leuchtturm, sondern auch ein Denkmal für das am 28.09.1994 gesunkene Fährschiff „Estonia“. Das Kap befindet sich am nächsten Punkt des Unglückes und soll nicht nur an die 852 Opfer erinnern, sondern auch an die zahlreichen Kinder, die ebenfalls mit dem Schiff untergegangen sind. Noch heute ist die Ursache nicht ganz bestätigt. Man geht aber von zu schwachen Scharnieren des Bugvisiers aus sowie einem Fehlverhalten des Kapitäns, der trotz Sturm und hohen Wellen mit voller Fahrt gefahren sein soll.

Nach unserem Besuch auf Hiiumaa fuhren wir mit der Fähre zurück auf das Festland. In der Region gab es einige Lost Places anzuschauen. Nach nur fünf Kilometern erreichten wir über einen kleinen Waldweg einen ehemaligen sowjetischen Flughafen mit Hangaranlagen, die aus der Luft kaum zu erkennen sind. Wir hatten das ganze Gebiet und die etwa 2000 Meter lange Start- und Landebahn für uns alleine. Direkt daneben befindet sich die Burgruine Ungru, eine fast exakte Kopie des Schlosses Merseburg. Ein weiterer Lost Place ist das ehemalige sowjetische Gefängnis Rummu, das sich inmitten eines Sees befindet. Mittlerweile ist der Platz aber nicht mehr „lost“. Es kostet Eintritt und es ist möglich dort schwimmen zu gehen. Sogar „Redbull“ trägt hier Veranstaltungen aus. Früher mussten die Insassen des Gefängnisses im angrenzendem Steinbruch Kalksandstein abbauen. Mit der estnischen Unabhängigkeit wurde der Steinbruch geschlossen, füllte sich mit Grundwasser und überflutete Mauern, Maschinen und große Teile der Gebäude. Das Gefängnis wurde erst 2012 geschlossen. Zu guter Letzt erreichten wir noch einen verlassenen sowjetischen Pilotenfriedhof.

 

An Tallinn ging es erstmal vorbei zum Lahemaa Nationalpark, wo man einen ehemaligen U-Boot Stützpunkt am Hafen von Hare bestaunen kann. Die sowjetischen U-Boote wurden hier mit Hilfe einer unterwasserliegenden Technik entmagnetisiert, um sie für Seeminen unempfindlich zu machen. Nur wenige Kilometer entfernt befinden sich ein paar kleine aber beeindruckende Fischerdörfer. Bekannt ist diese Region auch für ihre Gutshöfe Sagadi und Palmse.

In Tallinn machten wir Halt bei einer Werkstatt, die uns vom örtlichen Land Rover Club empfohlen wurde. Schon als wir ankamen, begrüßte uns Kristjan der Präsident des Clubs. Der große Vorteil der Werkstatt ist, dass sie sich als einzige Werkstatt noch mitten im Zentrum halten konnte. Alle anderen sind schon in die Industriegebiete vor die Stadt umgezogen, nur diese nicht. Für uns war das super, denn somit waren es nur fünf Gehminuten in die Altstadt. Wie auch die beiden anderen Baltischen Hauptstädte, Riga und Vilnius, ist Tallinn UNESCO-Weltkulturerbe. Es ist ein besonderes Beispiel für eine außergewöhnlich vollständige und gut erhaltene, mittelalterliche, nordeuropäische Handelsstadt. Die restlichen beiden Tage in Estland verbrachten wir noch auf einem Bauernhof, der seinen Garten für Overlander zur Verfügung stellt und man darf auch in seinem Saunabereich duschen.

Wir überlegten lange, wie wir unsere Reise fortsetzen sollten. Ursprünglich wollten wir mit der Fähre von Estland nach Finnland weiter. Kurzfristig entschieden wir uns aber, doch zuerst Schweden anzuschauen. Eigentlich wollten wir Schweden auf der Hinfahrt zum Nordkap auslassen und ausschließlich den Süden des Landes, auf unserer Rückfahrt vom Norden her, besuchen. Aber nun geht es für uns doch bereits früher nach Schweden. Wir wollen uns jedoch auf den mittleren Teil des Landes beschränken: Mittelschweden. Viele sprechen bei der Region nördlich von Stockholm bereits von Nordschweden. Finnland muss damit noch ein paar Wochen auf uns warten. Also buchten wir eine Fähr über DFDS, die uns vom estnischen Paldiski ins schwedische Kapellskär bringen sollte. Beide Fährhäfen sind zwischen 50 und 80 Kilometer von ihren jeweiligen Hauptstädten entfernt und die günstigere Alternative zur Fahrt von Tallinn nach Stockholm.

Fazit Baltikum:

Unserer Meinung nach ist das Baltikum noch ein echter Geheimtipp. Obwohl es jeder kennt, haben wir das Gefühl, dass fast niemand dorthin fährt. Selbst zur Hauptsaison verlaufen sich die nationalen und internationalen Touristen. Man hatte nie das Gefühl, dass es irgendwo überfüllt sein könnte. Alle drei Länder sind ziemlich klein. Keines ist so groß wie Bayern. Estland besitzt sogar nur 1/3 der Fläche von Bayern. Die Sehenswürdigkeiten füllen sich ab 10:00 Uhr morgens nur langsam. Ist man eine Stunde früher dran, hat man alles fast für sich alleine. Ein sehr frühes Aufstehen, damit man einer der Ersten ist, um den Touristenmassen zu entkommen, braucht es hier darum nicht.

Im Baltikum gibt viele Seen und Flüsse. Es gibt immer ein ungestörtes Plätzchen für ein paar Nächte. Es lohnt sich ein Kanu oder ähnliches mitzunehmen, wenn man den Platz dazu hat. Aber es finden sich auch zahlreiche Kajak-Verleiher, die zudem einen Abholservice am Ende des jeweiligen Flusses anbieten. Alle drei Baltischen Hauptstädten bieten ein UNESCO-Weltkulturerbe und sind auf alle Fälle einen Besuch wert. Am besten gefallen hat uns von den Baltischen Ländern Lettland. Wir haben hier die Ruhe und Romantik sehr genossen. Allerdings muss man ehrlicherweise dazu sagen, dass das Baltikum keine superkrassen-high-end Sehenswürdigkeiten zu bieten hat. Aber es ist ehrlich schön und es macht Spaß durch diese noch weitgehend unbekannten und unberührten Länder zu reisen.

Jetzt geht es weiter nach Skandinavien. Zum Glück sind dort die Ferien vorbei und es werden uns vermutlich nur wenige Touristen erwarten.


 

Lettland – ist mal echt schön!

02.09.2023 von Meiky

Das Baltikum kurz erklärt:

Von Nord nach Süd kommen die Länder: Estland, Lettland und Litauen mit ihren Hauptstädten Tallinn, Riga und Vilnius. Insgesamt gibt es etwa sechs Mio. Einwohner auf einer Fläche von fast der Hälfte Deutschlands. Die drei baltischen Länder verbindet eine gemeinsame Geschichte: Sie wurden lange Zeit von der Sowjetunion unterdrückt und besetzt; zwischen 1940 und 1944 vom Deutschen Reich. Ab Oktober 1944 wurde die deutsche Wehrmacht von der Roten Armee vertrieben. Der Bevölkerung ging es unter russischer Herrschaft aber nicht besser. Erneut folgte eine Welle an Deportationen. Um 1950 wurden etwa 10 % der männlichen Bevölkerung des Baltikums in die Sowjetunion verbannt oder sie kamen in Arbeitslager.

Ab dem 23.08.1989 erlangte das Baltikum langsam wieder die Unabhängigkeit. Das vollzog sich beispielsweise durch stille Proteste, wie einer 600 Kilometer langen Menschenkette, die von Vilnius über Riga bis nach Tallinn reichte. Fast zwei Mio. Menschen waren dran beteiligt, gut die Hälfte der damaligen Einwohnerzahl. Am 20. und 21. August erklärten sich die Länder Estland und Lettland für unabhängig und folgten so dem Nachbarland Litauen, das bereits am 11. März 1990 unabhängig geworden ist. Seitdem wuchs die Wirtschaft im Baltikum deutlich schneller als in Westeuropa. In allen drei Ländern zahlt man spätestens seit dem 01.01.2015 mit dem Euro.

Unabhängig von ihrer Geschichte könnten diese drei Ländern nicht unterschiedlicher sein:

Sprache: In allen drei Ländern kommen unterschiedliche Sprachen vor, und so können die Bewohner theoretisch nicht miteinander kommunizieren. Bei Litauisch und Lettisch handelt es sich um indogermanische Sprachen, wobei Litauisch älter ist und daher für Sprachwissenschaftler besonders interessant. Beide Sprachen verfügen über sieben Fälle. Aus diesem Grund ist die Grammatik ziemlich kompliziert. Das Estnische ist eng mit dem Finnischen und dem 2013 ausgestorbenen Livischen verwandt. Eine entfernte Verwandtschaft besteht auch zur Ungarischen Sprache. Estnisch hat sogar 14 Fälle. Wegen der langen Besetzung durch Russland, kann die ältere Generation Russisch sprechen; die jüngeren Leute lernen nun natürlich Englisch.

Auch die Religionen sind in jedem der drei Länder unterschiedlich. Litauen ist überwiegend römisch-katholisch, Lettland eher evangelisch-lutherisch und die Menschen in Estlands gehören größtenteils gar keiner oder der Evangelischen bzw. Orthodoxen Konfession an.

Ein Hauch von Sowjetunion

Bei unserem Besuch in Lettland haben wir es ruhig angehen lassen, und so standen wir – sehr untypisch für uns -fast an jedem Platz mindestens zwei Nächte, an machen sogar noch mehr.

Langsam merken wir, dass wir uns immer weiter Richtung Norden bewegen. Die typischen Holzhäuser, die wir auch schon in Litauen zu Gesicht bekommen haben, sehen bereits skandinavisch aus. Das ist aber nur auf dem Land der Fall. Die größeren Ortschaften versprühen weniger skandinavischen Charm, dafür verspürt man in vielen Fällen, zumindest in Randbezirken, noch einen kleinen Hauch von Sowjetunion.

 

Unmittelbar nach der Grenze entdeckten wir ein kleines verlassenes Häuschen, das mitten in einem Feld gelegen schöne Fotomotive bot. Danach wartete sogleich die erste „richtige“ Sehenswürdigkeit auf uns: Das Schloss Rundāle, das bekannteste Schloss Lettlands. Oftmals wird das Schloss sogar als das „Versailles des Baltikums“ bezeichnet. Aber schließlich wurde es auch nach dessen Vorbild gestaltet. 1770 endeten die Bauarbeiten. Während des zweiten Weltkriegs blieb das Schloss äußerlich unbeschadet, allerdings diente es in den Nachkriegsjahren als Kornspeicher und fast die gesamte wertvolle Inneneinrichtung ging somit verloren.

Wieder Richtung Ostsee unterwegs, hatte uns das schlechte Wetter voll im Griff. Nachdem es auf dem Weg fast ununterbrochen geregnet hat, blieben wir kurzerhand an einem See stehen und warteten die Regenwolken ab. In Liepāja an der Ostsee angekommen, waren wir auf einem Markt einkaufen und streiften durch die Stadt. Liepājas Altstadt bietet viele kleine Holzhäuser, eine Hafenpromenade und einige Kirchen. Der angrenzende Stadtteil Karosta umfasst etwa ein Drittel der Stadtfläche und war früher ein Kriegshafen des Russischen Reiches und der Sowjetunion und diente als Stützpunkt für die Marineflotte. Einige Abwehrforts und -türme aus der Zeit um 1910 kann man noch heute im Wald und an der Küste sehen. Um 1990 wurden die 26.000 russischen Soldaten, 140 Kriegsschiffe und 30 U-Boote abgezogen. Während des sowjetischen Abzugs sollen noch chemische Kampfmittel und radioaktiver Abfall der Marinebasis in der Ostsee vor Gotland versenkt worden sein. Der Stadtteil wurde verwahrloster, aber noch heute wohnen in den typischen Sowjetbauten ausschließlich Russen. Die Kasernen werden zum Teil als Ausstellungsfläche für Künstler genutzt.

Direkt an der Ostsee haben wir dann wieder etwas länger Halt gemacht. Es war nicht einfach in der Gegend etwas am Meer zu finden, und so fuhren wir lange durch den Wald Richtung Küste und fanden letzten Endes zufällig einen schönen Platz vor den Sanddünen zwischen Meer und Wald. Es dauerte keine Stunde, da kam ein weiteres Reisefahrzeug mit ausländischem Kennzeichen angebraust. Seltsam, es war nicht so einfach gewesen diesen Platz zu finden. Beim Blick aufs Handy und die „Park 4 Night“-App stellten wir mit Schrecken fest, dass wir genau auf einem markierten Platz standen… Echt jetzt? Der Platz war so versteckt und abgelegen, dass sich schätzungsweise maximal ein Camper auf der Suche nach einem Platz pro Monat hierher verirren würde, und nun stehen an einem Tag drei Fahrzeuge rum (zwischenzeitlich kam nämlich noch ein Fahrzeug). Oft ist es wirklich kein Wunder, dass sich die lokalen Angler und Anwohner aufregen, Straßen für Camper gesperrt werden, etc., wenn überall in der Natur plötzlich die Hölle los ist. Die App ist sicherlich in vielen Punkten sehr hilfreich, aber das Markieren von Wildcampingplätzen braucht es nun wirklich nicht. Sollen die Leute doch selber ihre Plätze finden!? Dann sind diese auch nicht im Übermaß frequentiert: Schont die Natur und die Nerven der Einheimischen. Wer zu bequem oder zu ängstlich ist, selber nach Plätzen zu suchen, kann doch einen der zahlreich markieren Campingplätze und Parkplätze ansteuern. Ok, genug aufgeregt, aber ich werde bestimmt nochmal über die App berichten.

 

Der nächste Abstecher führte uns wieder ins Landesinnere zur Stadt Kuldīga, die früher Goldingen hieß. Eine der malerischsten Städte Lettlands, obwohl einige der klassischen Holzhäuschen noch nicht restauriert sind. Eine schöne alte Backsteinbrücke führt über die Venta und man kann schon von der Brücke aus den mit etwa 240 Metern breitesten Wasserfall Europas sehen. Wobei der Begriff Wasserfall etwas übertrieben ist. Es handelt sich um eine für das Lachsfischen künstliche Kante und der Fluss Venta stürzt sich an ein paar Stellen ganze 200 cm in die Tiefe.

Schon am nächsten Tag ging es entlang der Venta nach Ventspils. Wir gingen durch die Stadt spazieren, blieben zum Mittagessen und fuhren dann Richtung Kap Kolka. Auf dem Weg dorthin machten wir Stopp an einigen Aussichtspunkten sowie beim Radio Astronomic Center. Seit dem Abzug der sowjetischen Truppen 1994, verwendet die Lettische Akademie der Wissenschaften diese Anlage als Forschungseinrichtung für Radioastronomie. Es ist möglich die gesamte Anlage und die alten Parabolspiegel in einer geführten Tour zu besichtigen. Das Kap Kolka war dann weniger spektakulär; vielmehr handelt es sich um einen Wegpunkt, an dem die Ostsee auf die Rigaer Bucht trifft.

Kurz vor Riga ging es für uns noch zu der „So da Brücke“. Es handelt sich dabei um eine Eisenbahnbrücke, die einfach mitten auf einem Feld steht - ohne jegliche Gleisanbindung. Witzig anzusehen, steht sie einfach „so da“. Daher kommt auch der Name.

Schön und interessant war der Kemeri Nationalpark, ein klassisches Hochmoor. Über kleine Holzstege kann man einige Kilometer über das Moor wandern. Wir blieben über Nacht auf dem Parkplatz, und kurz nach fünf Uhr klingelte der Wecker. Mit der Stirnlampe bewaffnet, ging es nochmal ins Moor. Sonnenaufgänge und zu sehen wie ein neuer Tag beginnt, ist immer wahnsinnig schön. Leider steht man viel zu selten so früh auf.

Noch am gleichen Tag fuhren wir nach Riga. In der Regel lassen wir große Städte aus, aber Riga wollten wir uns dennoch anschauen und so schlenderten wir durch die Altstadt. Am Rande der Altstadt stehen aus früherer Zeit vier Zeppelin Hallen. Heute dienen sie als Markthallen und wir blieben gleich zum Mittagessen. Die Hallen galten in den 1930er Jahren als der größte und modernste Markt Europas.

Östlich von Riga erstreckt sich der größte Nationalpark Lettlands. Namensgeber des Nationalparks ist der Fluss Gauja. Allgemein nicht besonders spektakulär, dennoch mit diversen Sehenswürdigkeiten, wie zum Beispiel die Turaida Burg, ebenfalls eine der bekanntesten Burgen Lettlands. Interessant ist auch die Pfahlbausiedlung auf einer Sandbank des Āraišu Sees. Diese konnte 1985 wieder vollständig und zu 100% rekonstruiert werden. Der Ursprung der Inselsiedlung ist zwar über 1000 Jahre alt, aber der See konservierte die Anlage, Bauteile und über 3.500 Einzelfunde von Werkzeugen, Keramiken, Haushaltsgegenständen, Schmuck, Waffen und anderen Artefakten so gut, dass man sie vollständig rekonstruieren konnte. Als Letztes besichtigten wir die Stadt Cesis, mit einer schönen Altstadt und einer mittelalterlichen Kreuzritterfestung. Direkt am Eingang der Burg erhält man eine kleine Laterne mit Kerze, so dass man sich in den dunklen Gewölben besser zurechtfindet. Jeder hat zwar heutzutage ein Handy mit Taschenlampen App. Sie mag auch effektiver als der Schein einer Kerze sein, dennoch finde ich es eine schöne Idee und es riecht überall nach Kerzenwachs. Lettland hat uns wirklich gut gefallen. Jetzt freuen wir uns aber schon auf das dritte und letzte Baltische Land, Estland.


 

Litauen - hat nicht nur gutes Essen!

13.08.2023 von Meiky

Noch vor sechs Wochen konnte ich die Baltischen Länder Litauen, Lettland und Estland auf einer Landkarte nicht richtig zuordnen, geschweige denn die dazugehörigen Hauptstädte benennen. Langsam gelingt es uns.

Beginnend mit der nicht mehr physisch greifbaren Grenze änderte sich schlagartig die Umgebung. An den Häusern merkte man schnell, dass man sich im Baltikum befindet. Die typischen Holzhäuser sehen bereits etwas skandinavisch aus.

 

Da wir in Polen kein einziges Mal auswärts essen waren, und das obwohl wir immer gerne landestypische Gerichte probieren, holten wir das in Litauen verstärkt nach. Die litauische Küche überraschte uns sehr und schmeckte ganz hervorragend. Zum Teil ist sie sehr schweinefleischlastig, aber es gibt auch viele Heringsgerichte und vegetarische Mahlzeiten, wie Pilzsuppe im Brotlaib, in Knoblauchbutter gebratenes Roggenbrot und natürlich den Klassiker: kalte Rote Beete Suppe. Obwohl ich kein Fan von Rote Beete bin, war die Suppe echt super lecker und schmeckte überall ein bisschen anders. Sehr gut schmeckten uns auch Cepelinai. Das sind mit Fleisch, Quark, Pilzen oder Spinat gefüllte Kartoffelklöße. Dazu wird immer ein cremiger Dip gereicht.

Litauen ist das größte Land und hat mit 2,8 Millionen Einwohnern, die meisten der drei baltischen Länder. Am ersten Tag unserer Reise legten wir den Reiseführer einfach mal weg und folgten neugierig irgendwelchen braunen Schildern, die Sehenswürdigkeiten ausweisen, die wir jedoch nicht entziffern konnten. Wir ließen uns überraschen und wurden von den gefundenen Hügelgräbern, einer 50 Meter hohen Eichen sowie alten Kirchen und Häusern fast nie enttäuscht. Abends fanden wir auch gleich einen sehr kleinen aber schönen Platz. Romantisch am See gelegen, ganz in der Nähe der malerischen Wasserburg Trakai. Früh morgens wollten wir uns auf den Weg zu dieser Burg machen, aber sogleich endete auch schon die Fahrt. Die regnerische Nachte weichte den Waldboden schlimm auf und machte ihn zu einer schlammigen Rutschpartie. Beim Wenden rutschte der Landy noch zwei Mal gegen einen Baum und hat nun eine Delle mehr. Die danach folgende Steigung war nur noch mit Hilfe der Seilwinde, Stück für Stück, zu bewältigen. Ganze drei Seillängen später waren wir wieder aus dem Wald draußen. Es regnete weiter, sodass wir uns auf einem nahe gelegenen Waldparkplatz dazu entschieden, dass die Burg doch noch einen Tag auf uns warten muss.