Belgien – Pläne ändern sich

Los geht’s:

27.04.2026 von Meiky

Belgien… Was macht ihr denn in Belgien? Wolltet ihr nicht nach Südostasien?

Ja, Südostasien war der ursprüngliche Plan. Auf dem Weg dorthin wollten wir die Sommermonate in Pakistan, Nordindien, Nepal und Tibet verbringen. Die Umwege aber, die wir fahren müssten, um nach Pakistan zu kommen, wären enorm. Die einzige Grenze zwischen Pakistan und Indien ist schon seit April 2025 geschlossen. Des Weiteren ist die politische Lage im Nahen Osten zu volatil. Machbar wäre es auf alle Fälle, aber die zusätzlichen Strecken, Hindernisse und das Befahren von Gebieten mit kriegerischen Auseinandersetzungen sind uns einfach zu nervig. Wir wollen schließlich etwas von den Ländern sehen und nicht einfach nur durchdonnern. Es wird Zeiten geben, in denen die Regionen wieder entspannter sind. 

 

Derzeit ist Westafrika ziemlich entspannt. Die Visaeinholung geht zum großen Teil online, sodass sich der Lauf von Botschaft zu Botschaft halbiert hat und bei weitem nicht mehr so zeitaufwändig ist wie vor einigen Jahren. Eine Tür schließt sich, die andere öffnet sich. Also haben wir beschlossen, wieder nach Afrika zu fahren – aber erst im Herbst. Und um die Zeit zu überbrücken, sind wir nun in Belgien gelandet, fahren weiter in die Niederlande und nach Südengland sowie Wales.

 

Wir haben etwa ein Jahr lang nicht mehr im Landy gewohnt, daher waren die ersten paar Tage etwas ungewohnt und holprig. Die Abläufe noch unbeholfen, wir standen uns im Weg etc. Aber nach kurzer Zeit setzt das Erinnerungsvermögen wieder ein. Die Bewegungen und die Kommunikation werden fließend und gehen wieder ineinander über – so wie es sein muss. 

Mosel

Auf dem Weg nach Belgien hatten wir noch einen Tag Zeit, um uns in Deutschland etwas anzuschauen. Diesmal waren es die Burg Eltz und das Moselgebiet. Entlang der Mosel ging es von Cochem nach Bernkastel - Kues. Mal wieder positiv überrascht, wie schön auch Deutschland sein kann, haben wir beschlossen, in 20 Jahren eine Flusskreuzfahrt zu machen. Wir stellen uns das unheimlich romantisch vor. Man muss sich um nichts kümmern, sitzt mit Fotoapparat und einem Bier auf dem Deck und macht einfach Fotos. Und wenn alle die Landausflüge machen, bleiben wir an Bord und plündern die Bar. Sehr schön.

Die ersten Tage in Belgien

Wir haben uns wieder auf die ländlichen Gegenden und nicht auf die Städte konzentriert. Daher war unser erster Stopp in Belgien der Fluss Lesse. Wir unternahmen kleine Wanderungen zu Höhlen, römischen Ruinen, zum Château de Walzin und einem kleinen Restaurant direkt am Fluss. Außerhalb der Saison ist es mal wieder ein Traum. Wir standen alleine auf riesigen Parkplätzen und es gab Bärlauchpesto, aus wildem Bärlauch, den wir auf unserer Wanderung pflückten. 

 

Dinant war dann doch ein kleiner Ort, den wir besichtigten. Die Stadt ist vor allem bekannt als Geburtsort von Adolphe Sax, dem Erfinder des Saxophons. In unmittelbarer Nähe befindet sich auch eine stillgelegte Bahnstrecke, die durch „Les Draisines de la Molignée“ befahrbar ist. Nachdem wir so etwas noch nie gemacht haben, stand ziemlich schnell fest: Wir fahren Draisine. Die Strecke bietet mehrere Möglichkeiten zum Ausruhen oder man steigt einfach auf die nächste Draisine um und fährt weiter. Es geht allerdings stetig bergauf. Bei der Rückfahrt ist das natürlich ein Vorteil. Wenn man am Anfang der letzten sechs Kilometer gleich Vollgas reintritt, reicht der Schwung aus, um bis ans Ende zu gelangen. Die Draisinen sind für vier Personen ausgelegt, perfekt um sich dann auf die hinteren bequemeren Plätze zu setzen und die Draisine den Berg hinunterdonnern zu lassen!

Belgien ist auch bekannt für seine Lost Places. Die Stadt Charleroi bietet daher einige Fotomotive. Im Zuge der industriellen Revolution wurde die Stadt zu einem Zentrum der Kohle- und Stahlindustrie. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich Charleroi zudem zu einem wichtigen Standort für die Produktion von Flachglas. 2012 schloss man auch hier den letzten verbliebenen Hochofen. Die heute verlassenen Industrieanlagen bestehen immer noch. Wer durch die Zäune schlüpft und sich nicht erwischen lässt, kann die riesigen Anlagen noch anschauen – leider hat Vandalismus auch viel zerstört. Aber wir finden es immer wieder spannend, solche Gegenden zu besuchen. 

 

Der Frühling rückt immer näher, die Tulpenblüte von Ende März bis Mitte Mai ist jetzt in Holland auf dem Höhepunkt – also nichts wie los und ab nach Holland.

Brügge, Gent und doch nicht Brüssel

Ein bisschen Kultur muss auch sein. Nach den Niederlanden waren wir zurück in Belgien. Brügge wird oft als das „Venedig des Nordens“ bezeichnet und gilt als eine der romantischsten und am besten erhaltenen mittelalterlichen Städte Europas. Die gesamte Altstadt ist UNESCO-Weltkulturerbe. Den ersten Eindruck verschafften wir uns mit einer Bootsfahrt durch die Grachten, um dann zu entscheiden, welche Ecken wir uns genauer anschauen wollen.

 

Gent gilt als authentischer – und ja, dem müssen wir recht geben. Wir mussten aufgrund der Umweltzone außerhalb der Stadt parken und durch nicht ganz so saubere Straßen und Gassen ins Zentrum gehen. Mittags gab es natürlich wieder belgische Fries und Waffeln. 

 

Brüssel stand ebenfalls noch auf dem Zettel, aber die weitreichende Umweltzone machte uns einen Strich durch die Rechnung. Wir hätten irgendwo den Landy abstellen und mit der Bahn reinfahren müssen. Das erschien uns zu umständlich – vielleicht hatten wir auch einfach keine Lust. Stattdessen machten wir einen Ausflug in den Hallerbos, einen kleinen Park südlich von Brüssel. Zu dieser Jahreszeit ist der Waldboden übersät mit wilden Hyazinthen, auch Hasenglöckchen genannt. In vielen Bereichen war der Boden über 100 Meter komplett blau. In unseren Wäldern findet man auch mal kleinere Felder, aber noch nie haben wir so viele auf einem Fleck gesehen. Selbst im worldwideweb sind wir noch nicht darüber gestolpert, obwohl die Hyazinthenblüte in Belgien eigentlich sehr „instagramable“ ist.

In Belgien fanden wir auch an einem Fischerteich ein kleines Plätzchen, an dem wir wieder ein paar Tage stehen konnten. Zum Glück war bei Ankunft ein Fischer vor Ort, den wir um Erlaubnis fragten. „talk to the locals“ ist ein Rezept, das häufig gut funktioniert!

Auf dem Weg zur Fähre nach Calais haben wir uns nichts mehr angeschaut. Wir tankten noch 120 Liter in Belgien für 2,05 € und sahen nur noch den Lidl in Frankreich von innen. Wir sind riesige Lidl-Fans: Alle Geschäfte sind fast gleich aufgebaut. Im Ausland sind sie meist größer, führen mehrere – vor allem viele regionale Produkte – und sind oft deutlich günstiger als andere Supermärkte. Der Einkauf geht hier immer schnell und man bekommt alles.



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