Ungarn – vergessene Friedhöfe

Unser erstes Ziel in Ungarn war gleich die Hauptstadt Budapest, beziehungsweise ein Campingplatz in der Nähe der Stadt. Als wir ankamen war dieser noch recht leer. Auf Campingplätzen fühlen wir uns immer recht unwohl, das liegt wahrscheinlich an der spießigen Campingplatz Atmosphäre und den vielen weißen Plastikbombern, die in Reih und Glied nebeneinander stehen. Wir fuhren fast bis ans äußerste Ende des Campingplatzes und versteckten uns hinter einem kleinen verfallen Häuschen das als Unrat-Abladeplatz für den Campingplatz dient, also für uns schon zumindest eine gewohnte Umgebung. Den ersten Tag blieben wir auf dem Campingplatz und wir mussten feststellen, dass dieser sich mit italienischen Wohnmobilen fast minütlich füllte. Eigentlich war es recht witzig anzusehen wie sich die Wohnmobile exakt im 90 Grad Winkel zu den Gässchen ausrichteten. Bei Ankunft ist der erste Weg eines jeden Wohnmobillisten, ausnahmslos mit der Kabeltrommel bewaffnet, zur Steckdose um das Wohnmobil mit Strom zu versorgen, anscheinend kann nur dann die Satellitenschüssel ausgefahren werden. Aber dafür funktionieren auch der Fernseher und der Kaffeevollautomat. Von Solarenergie hat noch keiner was gehört. Obwohl auf den Dächern so viel Platz wäre, sahen wir kein einziges Solarpanel.

Wir haben gemerkt, dass wir ziemlich reisefaul geworden sind und wollten auch am zweiten Tag nicht so recht in die Gänge kommen und auch nicht in die Stadt fahren, die große Anzahl an Menschen auf einem Fleck sind wir echt noch nicht gewohnt. Somit haben wir beschlossen am Rande der Stadt zwei vergessene Friedhöfe anzusteuern. Der erste vergessene Friedhof war in einem kleinen Wäldchen am östlichen Rande der Stadt. Dort war schon fast alles mit Efeu zugewachsen, so dass man die meisten Grabsteine fast nicht erkennen konnten. Wir schlenderten durch den Wald auf der Suche nach dem besten Fotomotiv. Dies war etwas schwierig, da durch den starken Sonneneinfall im Wald ein großes Schattenspiel herrschte. Jetzt scheint mal die Sonne und dann meckern wir schon wieder, ja - uns kann man es auch nicht recht machen.

Am zweiten Friedhof hatten wir ein ähnliches Problem, es handelte sich um einen vergessenen Eisenbahnfriedhof am nördlichen Ende von Budapest. Es war recht schwierig einen legalen Weg zum Eisenbahngelände zu finden, weil wir nicht über Mauern klettern oder durch Zäune schlüpfen möchten, das wäre nur die Notlösung. Von außen konnten wir schon erahnen wo wir die alten Dampfloks finden und fuhren das Gelände ab, nach kurzer Zeit entdeckten wir eine kleine Pforte und fragten den Herrn Sicherheitsbeauftragten ob wir rein dürfen um Fotos zu machen. Er scheuchte uns in das Bahngelände und meinte „quickly“. Also fackelten wir nicht lang, bedankten uns und gingen zu den alten einsturzgefährdeten Hallen um die Züge zu fotografieren und konnten alleine und ungestört die verrosteten Ungetüme anschauen. Nur 2 Kilometer weiter gibt es das Eisenbahn Museum von Budapest. Hier hätten wir mit zahlreichen anderen Besuchern die Züge auch anschauen können, wahrscheinlich wären diese vollkommen restauriert gewesen, somit auch schön anzusehen, aber unsere Art die alten Schönheiten zu bewundern war uns dann doch lieber.

Selbstverständlich schauten wir uns am dritten Tag Budapest an, aber eher etwas lustlos, uns hat auch ein Tag vollkommen ausgereicht, wir sind einfach keine Städtefans. Die Stadt ist sehr angenehm zu besichtigen, man kann viel zu Fuß machen oder bei längeren Strecken auf die U-Bahn zurückgreifen. Budapest ist interessant, aber wie alle Donaustädte sehr ähnlich.

Viel mehr von Ungarn haben wir auch nicht mehr gesehen. Wir schauten bei der Weiterfahrt Richtung Westen noch am Bory Schloss vorbei. Das Schloss baute der Bildhauer Jenö Bory als Lebenswerk alleine auf und seine Kinder vervollständigten es nach seinem Tode. In derselben Stadt Székesfehérvár gab es noch eine alte Apotheke die 1745 gegründet wurde, natürlich ließ es sich die Micha als Apothekerin nicht nehmen in die Apotheke kurz hinein zu schauen. Ein letztes Mal auf unserer Tour haben ´wir ein leerstehendes Abbruchhaus besichtigt, ein ehemaliges Militärgebäude. Das Gebäude mitten in einer Wohnsiedlung erweckte für uns aber eher den Eindruck eines Internats. Jetzt sind wir schon fast im Heimatland angekommen. Wir freuen uns schon Familie und Freunde zu sehen, aber andererseits hätten wir kein Problem einfach weiter zu reisen. Es macht sich Wehmut breit, da wir auch noch nicht wirklich unsere Reise beenden wollen. Der Weg bis nach München wird uns aber noch über die Slowakei, Tschechien und den Bayerischen Wald führen um zuerst Michas Eltern zu besuchen und Michas Geburtstag zu feiern.



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