Ruhe in einer Konfliktregion

Juli 2018

Ja, ja, ich weiß… das Auswärtige Amt rät von Reisen nach Bergkarabach dringend ab. Und ursprünglich stand  diese Region auch gar nicht auf unserem Reiseplan, aber nachdem wir einige begeisterte Reisende trafen, die aus dieser Gegend kamen und wir mit vielen Einheimischen gesprochen hatten, die gut über die aktuelle Lage dort Bescheid wussten, wagten wir es doch uns dort hin zu begeben.

Seit meiner Kindheit kann ich mich an diese Region „Bergkarabach“ aus den Medien erinnern. Zuletzt darin aufgetaucht 2016 im Zuge des „April Krieges“ und im Laufe der Zeit entwickelte sich eine eigene Vorstellung und zugegebenermaßen Faszination, die nun durch die Realität ersetzt werden konnte.

Wir erlebten die Region als sehr ruhig, mit freundlichen Menschen und einer bewegenden Vergangenheit und Kultur – wert diese besucht zu haben und ihr Aufmerksamkeit geschenkt zu haben. Der Tourismus ist hier derzeit natürlich auf Grund des fragilen Friedens nur gering vorhanden und ich wünsche dieser Region, dass sich wieder mehr Menschen hier hin trauen. Trotzdem waren wir natürlich nicht die einzigen Reisenden: wir trafen Schweizer, Amerikaner, Österreicher und Deutsche (hey, die trifft man doch echt üüüberall – sogar in Berg Karabach).   

 

 

Kein Land der Welt erkennt Bergkarabach, Nagorno-Karabach oder auch die Republik Arzach genannt, als eigenständigen Staat an. Eine Art Grenze gab es trotzdem, die Einreise war aber einfach. Man meldet sich im Zollhäuschen an der Grenze von Armenien nach Bergkarabach. Die Beamten schauen lediglich kurz in den Pass, machen eine Kopie, vermerken die Daten des Fahrzeugs in einer Excel Tabelle und man wird aufgefordert im „Ministry of foreign affairs“ in der Hauptstadt Stepanakert ein Visum abzuholen.

 

Überraschenderweise befand sich der Asphalt der Straßen in wunderbarem Zustand und wir fuhren vorbei an Bergen, Feldern und Hagelkanonen bis zum seltsamen Städtchen Vank, wo wir in der Nähe eines Baches bei einem Einheimischenrestaurant übernachteten. Restaurant kann hier übrigens alles bedeuten: In Wahrheit war dort einfach eine alte Dame mit zwei Kochplatten und ein paar überdachte Tische.

Nachdem wir am nächsten Tag den Ort besichtigten (siehe Fotos: er war echt seltsam) und das nahegelegene Kloster ging es in Richtung Stepanakert. Dort bekamen wir innerhalb von zehn Minuten unser Visum und einen Zettel für die Ausreise.  Wir machten uns an die Sehenswürdigkeiten der Stadt und Umgebung, sehr bewegend dabei, das Museum des gefallenen Soldaten, in dem man viel über die Vergangenheit des Landes erfahren konnte.  Abends konnten wir in einem kleinen Ort im Garten eines Bed&Breakfast stehen.

 

Zur Lage muss ich sagen, dass es dort wie oben bereits beschrieben sehr ruhig und für Reisende sicher war und ich den Eindruck hatte, dass sich diese Krisenregion (zumindest subjektiv) sicherer anfühlte als andere Krisenregionen wie z.B. die Westbank. Auch dort hatte ich mich bei meinen beiden Besuchen nie unsicher gefühlt. Allerdings war (und ist bestimmt immer noch) dort das Militäraufgebot sowie dazugehörige Waffenpräsenz um einiges höher. In Bergkarabach sieht man zwar den ein oder anderen Militärzugehörigen, oder mal ein Militärfahrzeug, allerdings nie bewaffnet – auch Checkpoints gab es nicht. Es ist schon komisch, dass das Auswärtige Amt (zumindest zum derzeitigen Zeitpunkt) vor Reisen nach Gaza beispielsweise nur „warnt“ und vor Reisen nach Bergkarabach allerdings „dringend warnt“ …

Ich bin froh, die Lage durch die Einheimischen und kürzlich dort gewesene Reisende erfragt zu haben mir so letztlich ein eigenes Bild gemacht zu haben.  

 


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