Rumänien – Alle Umweltauflagen erfüllt?

Dies ist die letzte Geschichte, die mit einem Grenzübertritt beginnt. Hinfahren, Pass anschauen, Gas geben fertig. Kein Stempel, keine nervigen Zolldokumente für den Landy ausfüllen, keinen Blick ins Fahrzeug, Beifahrer muss nicht durch die separate Passkontrolle und auch keine lästigen Fragen beantworten. Es kann so einfach sein, wir sind ja auch schon wieder in einem Land der Europäischen Union angekommen.

Der erste Stopp war ein Lidl-Supermarkt und wir kauften ohne Einkaufszettel nur das ein was wir fast ein Jahr vermisst haben und was unser Herz begehrte. Der Nachteil war, dass wir nur Sachen für den Moment einkauften, nicht planten was wir in den nächsten Tagen alles kochen könnten, so, dass alles für eine Woche reicht. Ende vom Lied, viel Geld ausgegeben und am zweiten Abend wussten wir schon nicht mehr was wir kochen sollten, aber der Einkauf war trotzdem geil.

Unsere Route führte uns nach Bran, wo wir uns das gleichnamige Schloss von Dracula anschauten, der walachische Fürst Vlad III Drăculea hat das Schloss aber nie betreten. Das Schloss Bran ähnelt dem im Roman von Bram Stoker am meisten und wird darum dem Touristen als Dracula Schloss verkauft, was sich bei einem Eintrittspreis von fast € 10,-- pro Person bemerkbar macht. Danach war noch das Schloss Peles an der Reihe. Leider hatten wir keinen Reiseführer für Rumänien und somit mussten wir im Internet schauen was es alles so in Rumänien gibt. Wir finden in Reiseführern steht mehr als im Internet und wir können auch noch viel besser mit echten haptischen Reiseführern und Landkarten arbeiten, wahrscheinlich sind wir schon „Old School“. Allerdings greifen wir für die Navigation auf unser Garmin Navi und auf die App MapsMe zurück. Die Kombination aus Landkarten um sich einen Überblick zu verschaffen und digitalen Navigation-Apps, Navis etc. ist für uns die beste Variante um unsere Routen zu planen. Für jedes Land, das wir bereisten, hatten wir einen Reiseführer, bis auf Turkmenistan. Nach unserer Internetrecherche sind wir noch auf ein Salzbergwerk gestoßen mit riesigen Stollen. Es zählt zu den ältesten Salzbergwerken und bereits in römischer Zeit wurde hier und in der Umgebung Salz gewonnen.

Rumänien ist seit 2007 Mitglied der Europäischen Union. Um EU-Mitgliedsstaat zu werden müssen wirtschaftliche Voraussetzungen erfüllt werden. Bei den Umweltauflagen sieht man anscheinend darüber hinweg. Nur so können wir uns den farbenfrohen See erklären. Der See „Iaz decantare Valea Șesii“ liegt sehr zentral in Rumänien, man kann ihn auch wunderbar auf Google Earth bewundern. Einst war hier ein kleines Dorf mit einem kleinen See. Die Kupfermine Roşia Poieni wurde 1977 errichtet und noch heute leitet die zweit größte Kupfermine Europas chemischen Abfälle und Schlamm in den See, dieser ist höchst toxisch und wir würden noch nicht einmal den kleinen Finger in diese Brühe tunken. Pro Jahr steigt der Pegel um ca. 90 cm, dies kann man auch gut auf Fotos sehen die von 2016 sind. Da sieht man noch das Dach der Kirche, jetzt schaut nur noch die Kirchturmspitze aus der toxischen Plörre heraus. Der Staudamm ist schon fast am Limit, viel fehlt nicht mehr bis er überläuft. *Die graue Substanz ist ein Schlamm, aus der sogenannten „froth flotation“. Durch eine „Schaumaufbereitung“ wird das Kupfererz aus anderen Materialien freigesetzt – im Bergbau heißt das auch Tailing. Diese Tailing-Seen gibt es im Umfeld von Minen in großen, meist mit Dämmen gesicherten Becken oder Schlammteichen, was je nach Inhaltsstoffen und bei unsachgemäßer Lagerung ein hohes Gefährdungspotential für die Umwelt darstellt. Sollte dieser Staudamm brechen oder überlaufen wird sich das gesamte Ökosystem bis ins Schwarze Meer bedanken, da die ganze Suppe über den Fluss Aries in die Donau gelangt. 130 Hektar ist der Stausee groß, also 170 Fußballfelder passen hinein.

 

Desweitern liegt in Rumänien auch wahnsinnig viel Müll herum, es ist fast kein Unterschied zu Zentralasien, nur noch zur Türkei, dort sind nämlich die größten Müllschweine unterwegs, was die rücksichtlose Müllbeseitigung anbetrifft. Wobei Beseitigung schon zu viel des Guten ist, der Müll wird einfach an Ort und Stelle liegen/fallen gelassen. Nach dem Besuch des Sees in dem wir natürlich nicht Baden waren, trotz der paradiesischen türkisen Farbe, führte uns der Weg noch an der Burg Corvin vorbei in Richtung zur Ungarische Grenze.

Wir hatten in Rumänien leider etwas Pech, nicht nur mit dem regnerischen trüben Wetter an das wir mittlerweile gewöhnt sind und welches uns auch schon gar nicht mehr nervt, sondern mit Schulklassen. Genau in dieser Woche als wir in Rumänien waren gab es an den Schulen Wandertage, und so standen an allen Sehenswürdigkeiten mehr Reisebusse als Autos. Die Sehenswürdigkeiten hätten in der Vorsaison sooo schön leer sein können, stattdessen waren recht nervige Schratzen und Bengel überall wo man hinschaute. Dass heute Kinder von der Vorschule beginnend ein Smartphone besitzen ist nichts Neues, aber sie sehen sich die Sehenswürdigkeiten nur durch den Bildschirm an. Sie gehen mit dem Smartphone filmend umher oder knipsen echt alles was ihnen in den Weg kommt. Wir fragen uns, was passiert danach mit den ganzen Fotos, werden die nochmal angesehen oder sortiert, schlechte gelöscht etc., es ist uns ein Rätsel. Wir gehen nach jeder Reise/Urlaub sorgsam unsere Fotos durch und es werden mit hohem Zeitaufwand Fotobücher erstellt. Die machen wir zwar online aber wir haben danach ein echtes haptisches Fotobuch im Regal stehen. Und da sind wir wieder bei dem Thema Haptik, es ist uns wichtig etwas Wertiges in der Hand zu halten.

 

*Quelle: https://der-schwarze-planet.de


Kontakt

Hinweis: Bitte die mit * gekennzeichneten Felder ausfüllen.