Oman – Die Heimreise beginnt

Wir gönnten uns fünf Tage Urlaub von unserer Reise in einem Bungalow mit Dusche, fließend warmen Wasser, Terrasse mit Meerblick, kleinem Wohnzimmer und inkl. Frühstück. Man mag es kaum glauben, aber immer auf Achse zu sein ist anstrengender und härter als man denkt. Zu Hause ist alles einfacher, geordneter und man folgt seinem gewohnten Lebensrhythmus. Bei uns ist das auf der Reise nicht so. Jeder Tag ist anders, man muss sich ständig neu orientieren, jeder Supermarkt (sofern es Supermärkte gibt) sieht anders aus. Auch müssen wir uns immer wieder auf fremde Länder einstellen. Das Unbekannte bestimmt unsre Route, wir fahren dem Unbekannten entgegen. Immer wieder gilt es, sich auf neue Länder, neue Kulturen, neue Völker, neue Regeln, neue Währungen usw. einzustellen. Sicher reist man gerade deshalb, weil man Neues entdecken möchte. Trotzdem wissen wir nie, was uns am Abend, am nächsten Tag und im nächsten Land erwartet. Deswegen ist unsere Tour kein „Wir liegen nur faul am Strand mit Schirmchendrink Urlaub“. Was wahrscheinlich die meisten denken. – So, dass musste mal raus!

Dennoch haben wir in dieser Zeit Wäsche gewaschen, den Landy aufgeräumt, kleine Reparaturen durchgeführt, Blogbeiträge geschrieben, Fotos gesichert, etc. So bekommt man schon mal zwei Tage locker rum. Den Rest der Zeit konnten wir uns tatsächlich etwas erholen. Abends suchten wir uns in dem kleinen Ort immer ein Restaurant und kommen immer mehr auf den Geschmack der indischen Küche. Noch in Deutschland hatte Meikys Magen nur beim Gedanken an einen Inder schon begonnen zu rebellieren. Die Vielseitigkeit dieser Küche ist echt überraschend und auch Meikys Magen hat sich langsam an das meist scharfe Essen gewöhnt. Auf Grund der Einwanderungszahlen von Indern und Pakistanern (In Oman über 50% und in der VAE sogar 60%) ist die Dichter der indischen Restaurants sehr groß und vielfältig.

Nach unserer Zeit im Bungalow schauten wir uns die Umgebung von Salalah an. Wir waren bei Baobab-Bäumen (die es eigentlich nur in Ostafrika gibt), zwei Sinkholes, Wadi Drina und Khor Rori, eine alte Handels- und Hafenstadt wo früher auch der teure und begehrte Weihrauch umgeschlagen wurde. Der Weg führte uns weiter Richtung jemenitische Grenze, wo wir uns nochmal drei schöne Tage Auszeit am weißen Sandstrand, nehmen konnten. Hier trafen wir auch wieder auf die Familie, die "Vom Kiez um die Welt" fährt, und mit der wir danach noch die Rub al-Khali unsicher gemacht haben. Am Strand zeigte ein Einheimischer, Arnim und Meiky wie man Langusten findet und fängt. Mit Schnorchel und Taucherbrille ging es dann schwimmend zu Unterwasserfelsen los. Unser Local hat auch ziemlich schnell eine Languste gefunden und gefangen. Arnim und Meiky hatten da leider weniger Glück: sie fanden zwar ebenfalls welche, sie aber mit der bloßen Hand zu fangen ist schon ein Kunststück. Mit dem 0,5 Meter langen Speer ist es schon einfacher das Tier erstmal aufzuspießen und dann zu greifen, aber selbst dafür waren den beiden die Langusten zu schnell. Meiky wird auf alle Fälle bei seinem nächsten Mittelmeerbesuch ebenfalls mit einem Speer bewaffnet auf Langusten Jagd gehen. Jetzt weiß er immerhin wo er suchen muss und wie man sie am besten fängt. Insgesamt hat der Local für uns zwei Langusten gefangen, die wir uns am Abend haben schmecken lassen.

An nächsten Abend haben wir beschlossen, dass es sinnvoller wäre mit zwei Fahrzeugen in die Rub al-Khali zu fahren. Die Rub al-Khali, auch „Empty Quarter“ genannt ist die größte Sandwüste der Welt und erstreckt sich über 650.00 Quadratkilometer. Nur ein kleiner Teil ist im Oman, aber selbst dieser ist schon überwältigend riesig mit 200 bis 300 Meter hohen Sanddünen. Sollte ein Fahrzeug Schwierigkeiten bekommen kann das andere Hilfe holen. In unserem Fall hätte uns sogar der 12 Tonnen schwere Mercedes 1428 rauschleppen können, andersrum würde es nicht gehen.

 

Nächster Halt war Urba „das Atlantis der Wüste“ es wurde erst 1992 entdeckt und ausgegraben. In der Wüste standen wir immer vor riesigen Sanddünen und konnten das Phänomen der „Singenden Dünen“ bewundern. Wenn die Sanddüne ins Rutschen kommt, vibriert leicht der Boden und es hört sich wie ein Donnergrollen oder manchmal auch wie eine Tuba an. Außerdem fanden wir Hunderte von Kristallen in Form von Geoden. Nur durch einen Zufall sind wir darauf gekommen. Wir wunderten uns schon alle über die kugelrunden Steine in verschiedenen Größen, die für ihre Größe ziemlich waren leicht und manchmal raschelten. Also kurzer Hand auf den Boden geschleudert, der Stein brach auseinander und zum Vorschein kamen die Kristalle. Das war dann auch unsere Nachmittagsbeschäftigung, abgesehen vom auf Sanddünen wandern.

Die Rub al-Khali haben wir eigentlich uns so ähnlich wie in Liwa vorgestellt, allerdings war sie ziemlich Grün. Das lag an einem straken Monsunregen im vergangenen Jahr und die Sandwüste speichert das Wasser doch mehr als man denkt.

Nach unsrer Wüstenexkursion teilten sich auch wieder unsere Wege. Die ersten 800 Kilometer waren zwar die gleichen, aber bedingt durch unterschiedliche Fahrgeschwindigkeiten - wir sind die Langsameren -  ist es doch besser so. Die 800 Kilometer nach Nizwa sind sehr eintönig, man fährt fast nur durch eine Kieswüste. Aber fast auf halbem Weg sind weiße Kalksteinformationen ca. 20 Kilometer abseits der Hauptstraße zu finden. Wir fuhren einen halben Tag durch diese weißen Canyons mit den pilzähnlichen Formen und blieben die berühmte Extranacht, weil es dort so schön war. Unser Reiseführer hatte davon kein Wort erwähnt, schade, weil die Kalkstein Pilze auf der eintönigen Fahrt doch eine gewisse Abwechslung bieten.

Bei Nizwa haben wir nur schnell eingekauft und sind zu einem Viewpoint nach Misfat gefahren. Beim Aussichtspunkt angekommen, stiegen wir aus, kochten uns einen Kaffee und danach kroch ein kleiner frecher Junge aus seinem Versteck. Zeigte uns Grimmasen und seinen Hintern, was wir ignorierten. Aber als er dann schließlich anfing mit Steinen auf unser Auto zu werfen, war das dann zu viel des Guten und Meiky musste erzieherische Maßnahmen ergreifen.

 

Hier seine Geschichte:

„Ich hob den Stein auf, ging in den Hof und klopfte an der Tür mit den meisten Kinderschuhen davor und eine Frau öffnete. Ich fragte höflich warum der kleine Bampf (Anmerkung der Redaktion: Bayerisches Wort für freches Kind) mit Steinen auf unser Auto werfen würde. Die Mutter konnte es sich auch nicht recht erklären und entschuldigte sich dafür.

Ich meinte: „Kein Problem, ist ja auch nix passiert“ und wünschte noch einen schönen Abend.

Micha und ich waren gerade dabei ins Auto einzusteigen, da hörten wir den Watschenbaum (noch eine Anmerkung: Kind bekam eine Ohrfeige) umfallen und den heulenden Bengel. Wir schauten uns an und dachten: So schnell wird er wohl keine Steine mehr auf fremde Autos schmeißen!

 

Dies ist uns tatsächlich das erste Mal passiert, davor auch nicht in Südamerika. Wir sind uns sicher, dass es das Kind auch nicht böse gemeint hat, aber es gibt keinen Grund uns mit Steinen zu bewerfen und daher habe ich mich entschieden, dass es das Richtige sei, die Eltern des Bengels aufzusuchen und davon in Kenntnis zu setzen. Wie würdet Ihr reagieren???“

Nahe Misfat gab es dann auch einen ruhigen Übernachtungsplatz und wir schauten uns am nächsten Tag den, laut Reiseführer, schönsten Ort Omans an. Danach waren wieder die Lehmburgen an der Reihe, Fort Bahla und Fort Jabreen standen auf dem Programm. Sie waren schön anzusehen, aber jetzt reicht es auch mit den Lehmbauten. Die letzten Nächte im Oman verbrachten wir in Wadis, wie z.B. im Wadi Damm, bevor es wieder zurück in die Vereinigte Arabische Emirate ging. In den VAE steht auf alle Fälle der 40.000 Kilometer Check an und es müssen insgesamt über 15 Liter verschiedene Öle gewechselt werden.


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