Und, Du so im Corona-Sommer 2020??? Teil II

08.09.2020 von Meiky

Wir wollten also im Sommer 2020 gerne auch ein bisschen länger weg, als die maximal eine Woche, die wir jeweils auf unseren Kurztrips durch Deutschland (siehe Teil 1) unterwegs waren. Drei Wochen sollten es diesmal schon sein. Nun stellte sich aber immer noch die Frage nach dem: Wohin? Spontan und zwar am Tag vor der Abreise, entscheiden wir uns, es erstmal mit Norditalien zu versuchen.

Am ersten Tag schafften wir es noch nicht einmal aus Deutschland heraus und blieben eine Nacht am Walchensee. Hier wunderten wir uns noch über die minimal Zahl an Wohnmobilen, VW- Bussen und anderen Campinggefährten. Ist Camping diesen Sommer doch die Gelegenheit überhaupt ein bisschen raus zu kommen. Der Umsatz von Wohnmobil Herstellern ging vermutlich durch die Decke, oder? Diese Verwunderung hielt allerdings nicht lange an, hatten sich doch alle Fahrzeuge auf dem Nachtparkplatz versammelt- und das schon am frühen Abend. An den schönen Parkplätzen rund um den See ist das Parken ab 22 Uhr nämlich verboten. Augen zu und durch: anders als erwartet war es am Nachplatzt recht ruhig und alle hielten schön vorbildlich Corona-Wohnmobil-Abstand.

An Tag zwei ging es dann auch schon nach Italien: der Jaufenpass rief. Wir fanden einen schönen Platz und blieben dort die bekannte extra Nacht. Bis wir in der angepeilten Richtung, Westalpen und Piemont waren, vergingen gut zehn Tage. Nun könnten wir alle Stationen aufzählen, an denen wir waren. Wird aber vielleicht etwas langweilig, drum erstmal nur ein grober Überblick: die Lagos eben: Maagiore, Como und Orta sind auf jeden Fall erwähnenswert.

 

Plätze zum Wildcampen fanden wir immer wieder, super schön waren nicht alle, teils Park- und Picknickplätze. Aber waren sie schön, so konnte man sicher sein, dass wir vom Gewitter verfolgt waren. So auch auf dem Jaufenpass, wo wir nachts noch für einige Zeit zu einem Refugio fahren mussten, da wir mitten in einem Gewitter standen, das sich auch nicht verflüchtigen oder wegziehen wollte. Ein bisschen gruselig, so hoch in den Bergen. Ja und ein anderes Mal, an einem wirklich idyllischen Picknickplatz am Bach, mussten wir ebenfalls nachts umziehen. Unzählige Kids kamen auf die Idee, um 23:00 Uhr neben uns eine illegale Corona-Grillparty zu starten. Zu viel für uns, da Dunkelzeit im Landy auch Schlafenszeit bedeutet, hatten wir auf laute Musik keinen Bock. Also weg und neuen Platz gesucht. Bei Dunkelheit, wie immer extrem nervig, aber in einem kleinen Bergdorf in der Nähe wurden wir auf dem Dorfparkplatz fündig! Wer kennt es nicht #vanlife the reality.

Irgendwann in den Westalpen angekommen, ging es gleich über eine Schotterpiste rauf auf den Colle delle Finestre und am nächsten Tag weiter auf den Colle de Assietta. Entlang der 65 Kilometer langen Assieta Kammstraße, für die wir drei Tage brauchten. Nicht, weil die Strecke anspruchsvoll wäre, sondern weil wir uns sehr viel Zeit gelassen haben. Eigentlich hatten wir vor, noch weitere Offroadpisten zu befahren, wie den Monte Jafferau, Col de Sommeiller, Col du Parpaillon und die Strade die Cannoni. Alles alte Militärstraßen, die an manchen Tagen für den öffentlichen Verkehr geöffnet sind und somit legal befahren werden dürfen.

Dennoch störte uns der Offroad Tourismus (obwohl wir selbst nicht besser waren). Weniger die Autos, die nur in geringer Zahl vor Ort waren, sondern die leichten Enduros. Wir hatten das Gefühl, der ein oder andere wolle einen neuen Geschwindigkeit Rekord erzielen, denn langsam waren sie nicht unterwegs. Wir hatten gehofft, auf den vermeintlich abgelegen Pisten mehr Ruhe zu finden. Dem war aber leider nicht so. Diese Idee haben natürlich viele Menschen. Aber die romantische Vorstellung stirbt zuletzt.

 

Zudem stellten wir fest, dass es uns irgendwie widerstrebt, absichtlich Offroadpisten zu suchen, um dort mit dem Landy zu fahren. Auf Langzeitreise sind wir immer sehr froh, wenn wir nach unzähligen Tagen auf Schotter, wieder eine normale, asphaltierte Straße befahren können! Aus diesem Grunde entschieden wir uns, nicht weiter in die Westalpen vorzudringen. Aber auch aus Umweltschutzgründen. Manchmal kommt die Erkenntnis erst vor Ort.

Es gibt in den Westalpen ein paar legale Offroadpisten, die auch bestehen und weiterhin legal befahrbar bleiben sollten, so dass alle Offroadfans die Möglichkeit haben, sich auszutoben. Würden diese Strecken verboten werden, wird sich die Anzahl der Offroadfahrer vermutlich nicht vermindern. Möglicherweise würden sie aber ihren Spaß dann einfach irgendwo und illegal ausüben. Wir werden jedoch nicht mehr in europäischen Ländern auf diese Weise Offroadstrecken suchen, nur um das Können unseres Fahrzeuges auszutesten. Im Grunde wissen wir bereits, was unser Landy alles kann und freuen uns lieber über die unvermeidbaren Offroadstrecken, die wir auf unseren kommenden Langzeitreisen zwangsläufig befahren müssen.

Aus diesen Gründen entschieden wir uns kurzer Hand, in die Schweiz zu fahren. Vorbei am Rhone Gletscher, zum Vierwaldstätter See, um dann im Muotahal Karin und Lorenz zu besuchen. Wir trafen die beiden das erstmal in der VAE, bei der Überfahrt in den Iran. Auf ihrer Heimreise besuchten sie uns in München, da ihre Fahrt etwas später endete als unsere. Bei ihnen konnten wir auf der Wiese hinter dem Haus stehen und hatten für ein paar Tage eine Ruhe, die es in Mitteleuropa schwer zu finden gibt. Da wir noch ein wenig Zeit übrig hatten, verbrachten wir die letzten paar Nächte noch auf einem Campingplatz in Lindau, direkt am See und hatten definitiv den schönsten und besten Platz. Ein bisschen Glück gehört auch dazu.

 

Zum Schluss noch eine Erkenntnis nach diesem Trip: Die Anzahl an kleinen Camping Fahrzeugen hat wirklich stark zugenommen. (Vorsicht: ab jetzt könnte es ein wenig sarkastisch werden. Verstehen ja nicht immer alle, ne?)

Böse Zungen würden behaupten, vor allem die VW-Busse in der California Edition wirken wie eine Art zweiter Seuche in diesem Sommer. Das #Vanlife ist allerorts vertreten. Faszinierend sind die offenen Bücherregale, fancy Innenausbauten und die kleinen, bunten Pflanzen in Blumentöpfen. Einmal ein Schlagloch übersehen, schon ist der ganze Ramsch im Auto verteilt. Jaja, auch wir verwenden bei Insta den Hashtag, macht man ja heutzutage so. Grund für uns, den Hype mal genauer zu beleuchten.

Aber das machen wir dann lieber in einem separaten Bericht.




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