Liparische Inseln, vor und nach dem Vulkanausbruch

19.10.2019 von Meiky

An einem Freitag ging es mit meinem Freund Martin (ohne Micha) um 22:00 Uhr los, Richtung Süden. Diesmal mit einen VW Passat und nicht wie in den vergangenen Jahren mit einem alten BMW e30 Baujahr 88, der nur sagenhafte 7,2 Liter Diesel im Durchschnitt verbrauchen würde. Aus Zeitmangel konnte dieser aber nicht mehr für den TÜV aufbereitet werden.

 

Richtung Süden heißt: Zielort Castellammare di Stabia, etwa 50 Kilometer südlich von Neapel, denn hier steht seit 2007 das über 30 Jahre alte Segelboot meines Vaters. Ein witziger neapolitanischer Ort, in dem mir noch nie ausländische Touristen begegnet sind.

Den Golf von Neapel und die Umgebung kennen wir schon in und auswendig. Deshalb ging es auch schon einen Tag später auf direktem Wege zu den Liparischen Inseln. Diese waren mir noch unbekannt und interessierten mich schon seit längerem. Das Interesse stieg noch an, als ich von der starken Eruption des Stromboli am 03.07.2019, etwa 6 Wochen vor unserem Besuch, hörte. Für die Strecke benötigten wir ca. 27 Stunden und ich bin tatsächlich auf der Strecke zum ersten Mal in meinem Leben seekrank geworden. Ausgerechnet im Moment als Martin unser Abendessen, leckere Käse-Sahne-Tortellini servieren wollte, dreht ich mich zur Reling und kotzte mir die Seele aus dem Leib. Na dann: Guten Appetit. Komischerweise ging es mir nach 20 Minuten schon deutlich besser, so dass ich die Tortellini doch noch essen konnte, allerdings dann kalt. War es jetzt Seekrankheit oder doch die hohe Sonneneinstrahlung und das Bier, das ab 10:00 Uhr geöffnet worden ist? Das flaue Gefühl im Magen blieb mir aber noch eine gute Woche erhalten.

Nachts versuchten wir uns im zwei Stunden Rhythmus am Steuer abzuwechseln. In den Morgenstunden war ich dran und konnte in der Entfernung, etwa 55 Kilometer entfernt, ab und zu einen Feuerkegel am Horizont entdecken. Ein natürlicher Leuchtturm und freute mich, dass der Stromboli immer noch aktiv war. Schon seit meiner Kindheit wünschte ich mir einmal einen Vulkanausbruch aus der Nähe sehen zu können.

Am Stromboli angekommen erkundeten wir zuerst den kleinen Ort San Vincenzo und bemerkten am Abend regelmäßig ein Rumoren und eine rotglühende Wolke über dem Vulkan. Wir sahen uns an und sagten: Da müssen wir rauf, unbedingt!!!“. Laut Reiseführer darf man nur in einer geführten Gruppe auf den Berg. Also fragten wir am Ticketoffice nach. Wir erhielten allerdings die Mitteilung, dass schon seit Januar 2019, auf Grund der starken Eruptionen des Ätnas, der Aufstieg auch mit Guide verboten sei und die Strafen bei Missachtung € 500,-- betragen würden. Wir überlegten lange, ob wir die Risiken eingehen sollten… Einstimmig entschieden wir uns dann, das Spektakel aus der Nähe zu betrachten und hofften nachts unentdeckt auf dem Stromboli wandern zu können. Ein Marsch tagsüber kam für uns nicht in Frage, weil man vom Dorf Wanderer problemlos sehen kann und außerdem sieht man abends die Explosionen deutlich besser. Einen Tag später suchten wir uns bei Tageslicht den Einstieg zur Wanderung auf den Vulkan, der mit einer Mauer und Ästen versperrt und kaum zu erkennen war. Gegen 21:00 Uhr machten wir uns schwarz gekleidet auf den Weg, nur mit einem kleinen Rucksack und Turnschuhen, weil wir so unauffällig wie möglich sein wollten und kein Aufsehen mit Trekkingklamotten, großen Taschenlampen etc. erregen wollten. Wir kamen mit dem Restlicht gut voran und konnten die Wege noch einigermaßen erkennen. Dies änderte sich aber nach Einbruch der Nacht und danach konnte man auf dem schwarzen Vulkanboden wirklich nichts mehr sehen. Martin hatte zum Glück eine Stirnlampe mit Rotlicht dabei und damit konnten wir immerhin den Weg wieder erahnen. Nach weiteren 30 Minuten meinte es der Vollmond gut mit uns und so schafften wir gefahrlos die letzten Höhenmeter. 900 Höhenmeter und gut drei Stunden später, schauten wir über den Grat und sahen diverse Schlotte, die in regelmäßigen aber kurzen Abständen, mal mehr oder weniger stark, ihr Schauspiel zeigten. Wir überlegten ob wir nicht vielleicht schneller gewesen wären, hätten wir nicht davor auf dem Dorfplatz noch beide eine fettige Pizza gegessen.

Wir waren echt froh, dass am Kraterrand Schutzhütten aus Stahlbeton standen. Die Lautstärke der Eruptionen war enorm und wir hätten nie gedacht, dass es so laut werden würde. Ähnlich beunruhigend war die Tatsache, dass bei den Explosionen die glühende Lava etwa 60 Meter in die Höhe geschleudert wurden. Zu einem weiteren Aussichtspunkt sind wir darum auch nicht mehr gegangen, weil die Lavabrocken teilweise über den Weg dorthin geschleudert wurden. Wir beobachteten eine gute Stunde lang das faszinierende Schauspiel aus etwa 200 Metern Entfernung und fühlten uns wie Hobby-Vulkanologen. Leider haben wir beide unsere Kameraausrüstung zu Hause gelassen und konnten nur mit unseren Handykameras Fotos machen. Um 01:00 Uhr nachts ging es wieder runter. Der Abstieg ging sehr schnell, einfach das Lavafeld direkt runter gehen, so kommt man schnell in der losen Vulkanasche mit einem Schritt zwei Meter weit.

Nachts den Weg zu finden war echt schwer. Ohne die Wanderrouten von MapsMe, die super genau sind, hätten wir wahrscheinlich nicht die richtigen Wege gefunden. Unter normalen Umständen ist die Wanderung und die Routenfindung nicht schwer und ein Guide eigentlich unnötig. Wir glauben, dass die Guides nur eingesetzt werden um die Besucher besser kontrollieren zu können, da es bestimmt viele Leute gibt, die sich für das beste Selfie zu nah an die Krater heran wagen, die sich an unvorhersehbaren Orten öffnen können und explodieren. Ein paar Tage später erreichte uns die Nachricht, dass es auf dem Stromboli erneut zu einer weiteren starken Explosion mit einer Rauchsäule von einigen Kilometern Höhe kam. Abermals ergoss sich ein pyroklastischer Strom ins Meer. Gut, dass wir zu diesem Zeitpunkt nicht oben waren, das hätte dann mal richtig gescheppert!

Die anderen Liparischen Inseln, die wir noch besucht haben, wie Lipari, Vulcano und Panarea, waren weniger spannend, aber es gab auf einer der Inseln noch ein stillgelegtes Bimssteinwerk, das zum Entdecken einlud. Auf dem Rückweg waren wir auch noch in Scario, Pallionuro, Agropoli und Paestum, auf dem italienischen Festland. Wie immer mussten wir auch dieses Jahr einen Abstecher nach Capri machen, verzichteten aber diesmal auf den Besuch unserer Lieblingsbierkneipe mit Dosenbier, - man wird ja auch nicht jünger.



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