MALAYSIA, 18 Tage Rundreise auf Borneo

Borneo I – Sabah und Kinbatangan

von Micha am 13.04.2020

Wir hatten, mit dem geplanten Stopover in Singapur zusammen, drei Wochen Zeit Borneo zu erkunden. Im Vorfeld stellten wir darum Überlegungen an, in welchem Teil Borneos wir mehr Zeit verbringen wollten und kamen zu dem Entschluss den Großteil der Reise im Bundesland Sabah sowie im Mulu Nationalpark (der aber zu Sarawak gehört) zu verbringen.

Sowohl im Osten Sabahs als auch in der Gegend um Kuching gibt es die Tiere zu sehen, auf die es ein Borneo Reisender abgesehen hat: Orang Utans, Nasenaffen und den Sonnenbären. Unsrer Einschätzung nach gibt es rund um Kuching jedoch mehr Tourismus als im Osten Sabahs, weswegen wir uns für Sabah entschieden haben. Kuching wollten wir zwar dennoch besichtigen, aber eben nicht die Umgebung.

Das Auswärtige Amt rät von Reisen nach Sabah ab, da es hier in den letzten Jahren zu Entführungen und Piraterie gekommen ist. Ob man dieser Warnung nachkommen möchte, Sabah weglässt und sich stattdessen die besagten Tiere lieber bei Kuching ansieht, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Wir haben jedoch keine negativen Erfahrungen dort gemacht. Auch wollten wir uns gerne den Kinabatangan Fluss ansehen, was ebenfalls ein Grund war nach Sabah zu reisen.

Unsere erste Station auf Borneo war darum Kota Kinabalu. Hier einmal kurz in der Nähe des Flughafens im C'haya Hotel übernachtet und eine der ersten einheimischen Garküchen ausprobiert, ging es am nächsten Tag bereits per Inlandsflug mit Air Asia weiter nach Sandakan im Osten. Die Stadt ist keine wirkliche Schönheit, aber wir hatten im Vorfeld wohl den richtigen Riecher gehabt und das "Hotel S´kan Styles" an der Promenade gebucht. Für uns Südostasien Neulinge war diese dann auch ganz interessant. Man konnte sich durch die kleinen Restaurants fressen und die geschäftigen Straßen dahinter entdecken. In Sandakan selbst waren wir fast die einzigen Touristen, nur abends krochen ein paar aus ihren Unterkünften. Ob das nun an der beginnenden Corona Krise lag, oder daran, dass prinzipiell wenig Touristen nach Sandakan finden, kann ich nicht genau sagen. Ein Argument für letztere Theorie war, dass wir immer wieder von Einheimischen jeglichen Alters um Selfies gefragt wurden, was in von Touristen stark frequentierten Gebieten ja nicht mehr allzu oft vorkommt.

Unsere Kinabatangan Dschungel Tour inklusive Unterkunft buchten wir dann in Sandakan, in der Straße hinter der Promenade, wo man einige Touranbieter finden kann. Wir entschieden uns für die Unterkunft Borneo Natural Sukau Bilit Resort. Praktischerweise konnten wir auch gleich die Fahrt nach Sepilok zur Orang Utan Aufzuchtstation dazu buchen. Und noch viel praktischer, sind die Sonnenbären auch gleich noch nebenan. Was wir nicht gebucht haben, ist eine Tour zu einer Bucht mit Nasenaffen – das ist auch überhaupt nicht nötig, denn von denen sieht man am Kinabatangan noch genügend.           

 

Kleiner Einschub an dieser Stelle: Dies war übrigens unsere erste (wenn auch nicht reine – dazu später) Backpackerreise, da wir im Vorfeld nicht sicher waren, wie Borneo mit dem Mietwagen machbar sein würde. Die Distanzen sind einfach groß und die Inlandsflüge waren echt unstressig, des Weiteren gibt es Destinationen, wie den Mulu Nationalpark, zu dem gar keine Straßen führen. Wir waren auch froh, NICHT von KK nach Sandakan gefahren zu sein, zumal es keinen Rental Car Anbieter gab, der one way angeboten hätte und weil es einfach zu lange gedauert hätte, aber: die Tour Sandakan – Sepilok – Dschungel Lodge und zurück, wären wir schon gerne selbst gefahren. Man hat einfach die Möglichkeit Stopps für Fotos einzulegen und ist sein eigener Herr. Das nicht zu sein sind wir nicht gewohnt und mit dem Minibus fährt man leider ungebremst an allen Fotomotiven, die sich unterwegs bieten, vorbei. Auch hatten wir nicht gewusst, dass es überhaupt möglich sei, direkt zu den Lodges, auf Straßen, hinzufahren. Wir hatten einfach diese Vorstellung vor Augen, wie wir es in Bolivien erlebt hatten, in ein Gebiet zu kommen, das nur auf dem Wasserweg zu erreichen ist. Aber vor Ort stellten wir eben fest: das war hier anders.

Anders als bei unserem Dschungel Aufenthalt in Bolivien war hier auch, dass man, um überhaupt in den Dschungel zu kommen, durch all diese Palmölplantagen fahren muss. Klar, man hatte schon davon gelesen, war auch mit dem Flieger am Tag davor darüber gekreist, aber wenn man sie dann direkt vor Augen hat…und sie kilometerlang an einem vorbei ziehen… das war schon mehr als ernüchternd.

Nun ja, Orang Utans, Sonnenbären und eine grüne Giftschlage waren abgehakt – in Sepilok waren dann übrigens auch mehr Touristen, wie man sich denken kann, aber durchaus im Rahmen - tauchten wir dann abends für zwei Nächte in den Dschungel Borneos ein.

Nach unzähligen Flussfahren und Dschungelwanderungen hatten wir vom short- über den longtail Makaken, Nasenaffen, Krokodilen in verschiedensten Größen, Hornbills, Eisvögel, Otter etc. viele Tiere gesehen und konnten so unsere Rückreise über Sandakan nach KK fortsetzen.

In KK angekommen konnte die Sehnsucht nach einem Mietwagen nicht mehr eingebremst werden und schon saßen wir mit einem neuen und doch altbekannten Gefühl der Freiheit in einem asiatischen Fabrikat, bis dato uns unbekannter Marke.  Hier verhält es sich wahrscheinlich auch ähnlich wie mit Südamerika und Südostasien: man ist eben Backpacker-Mensch oder Mietwagen- bzw. Selbstfahrer-Mensch. Und irgendwie sind wir dazu auch noch Internet-Menschen und holten uns gleich noch eine SIM Karte dazu. Das nächste Ziel war der Kota Kinabalu Nationalpark. Abends gab es dort erstmal einen Hot Pot mit Grill für uns und wir waren froh für hier oben (ca. 1552 über NN.) Jeans und Pulli mitgebracht zu haben.

Am nächsten Morgen machten wir uns auf zum Nationalpark und merkten recht schnell, dass dieser locker in einem Tag machbar ist. Eine Besteigung des Kinabalu Berges hatten wir ohnehin nicht geplant. Diese muss auch längere Zeit im Vorfeld gebucht und organisiert werden. Da jedoch zu dieser Zeit bereits Einreisestopps für Chinesen und Südkoreaner bestanden, wären vielleicht sogar kurzfristig Plätze frei gewesen. Allgemein trafen wir im Park quasi keinen einzigen Menschen. Die Wege sind nicht allzu lange, alles gut beschildert und man marschiert durch schöne Wälder mit schönen Aussichten auf den Berg. Wir entschieden spontan die drei im Homestay gebuchten Nächte auf zwei zu reduzieren. Wir hatten gedacht, man bräuchte dort länger und so hatten wir eine zusätzliche Nacht für den Mulu NP aufgespart.    

 

Die restliche Zeit aßen wir Bananen auf dem Markt in Kundasang und als ich herausfand, dass es hier einen Bauernhof zu besichtigen gab, gab es kein Halten mehr. Als ob man Kühe nicht genauestens aus Bayern kennen würde… fuhren wir zur Desa Dairy Farm. Das witzigste daran war, den Einheimischen dabei zu zusehen, wie sie auf die Kälbchen und Ziegen reagierten. Ich glaube wirklich, dass viele von ihnen noch nie oder zumindest selten davor, die schwarz weißen Kühe gesehen haben, die es in Europa an jeder Ecke gibt. Dieses Schauspiel war wirklich nett mit anzusehen. Auch wir beide waren wieder ein beliebtes Fotomotiv und so kam es, dass kleine Kinder teils von ihren Eltern gezwungen wurden mit uns aufs Foto zu müssen und dabei doch so schreckliche Angst vor dem großen Meiky hatten.

Den Rest unserer Mietwagen Tour verbrachten wir mit Sightseeing in KK. Dass wir an der floating mosque abgewiesen wurden, interpretierten wir zuerst als eine Religionsfrage, aber es war tatsächlich eine Herkunftsfrage, denn nun begann Corona langsam seine Schatten vorauszuwerfen…

Dann noch ein paar entspannte Tage weiter südlich von KK in einem schönen Eco Strandresort um danach, wieder von KK aus, in den Mulu Nationalpark in Sarawak zu fliegen.

Hier geht´s weiter zum zweiten Teil

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