Burundi - Bonjour Monsieur Minstre de l´Interieur

22.09.2022 von Meiky

Die unten aufgeführten Zahlen weichen je nach Quelle ab. Genau kann man es wohl nicht bestimmen. Internationale Beobachter in Burundi benötigen nämlich einen staatlichen Minder, also einen Schatten der sie beobachtet.

  • Burundi 12,5 Mio. Einwohner
  • 435 Einwohner pro qkm
  • € 275,- Einkommen pro Jahr pro Kopf
  • € 1,45 durchschnittlich Einkommen pro Tag
  • € 15,- durchschnittliches Monatseinkommen eines Polizisten
  • 14% der Straßen sind asphaltiert
  • 11% haben keinen Zugang zu Elektrizität
  • 1 Asphaltierte Landebahn in Bujumbura
  • 3% sind älter als 65 Jahre
  • 65 % unter 25 Jahre
  • 45% unter 15 Jahre
  • 49 Jahre durchschnittliche Lebenserwartung
  • 2. höchste Bevölkerungsdichte Afrikas
  • 3. schnellstes Bevölkerungswachstum
  • 90 % in Landwirtschaft tätig
  • 86% von Burundi sind ländliche Gebiete
  • 70 % unterhalb der Armutsgrenze
  • Jedes 5. Kind erreicht nicht den 15 Geburtstag
  • 1 von 20 stirbt an Hunger oder Unterernährung
  • 32 % der Schüler schließen nur die Sekundärschule ab
  • 1% der Schüler studieren
  • 1 Arzt pro 35.000 Menschen
  • 165. Platz von 180 Ländern des CPI (Korruptionswahrnehmungsindex)
  • 1,- USD sind 2.050,-- Burundi Franc, offiziell
  • 1,- USD sind 3.200,-- Burundi Franc, Schwarzmarkt

All diese Zahlen machen Burundi zum ärmsten Land der Welt. Das war natürlich nicht der Grund das Land zu bereisen. Für uns lag Burundi fast auf der Strecke und der Umweg war nicht besonders groß. Wir waren neugierig, also nichts wie hin. Burundi erfährt so gut wie keinen Tourismus. Viele Langzeitreisende lassen Burundi gerne mal weg, das ist auch nicht verwunderlich, wenn man ehrlich ist. Denn es gibt auch nicht so viel zu sehen und die Infrastruktur ist sehr dürftig. Wir empfinden so etwas aber als Vorteil. Man fängt an, sich intensiver mit dem Land und den umliegenden Ländern zu beschäftigen. Hätten wir Burundi nicht bereist, hätten wir zum Beispiel viele politische Gegebenheiten nicht näher betrachtet. Dazu erfahrt ihr mehr, wenn wir in Rwanda und Uganda sind. Danke Burundi, du hast unseren Horizont deutlich erweitert.

Noch in Tansania, in der Kleinstadt Kigoma, holten wir unsere Visa ein. Die Visaeinholung, wie bereits beschrieben, verlief ohne Fragen und ohne Antrag innerhalb von 15 Minuten. Wir kauften beim Markt noch ordentlich ein, gingen Tanken, füllten sogar wieder unseren Ersatzkanister auf, und es ging 65 Kilometer zur Grenze.

 

Ein- und Ausreise gingen so einfach, dass wir sie nicht näher erläutern. Es muss aber die Straßenseite gewechselt werden. In Burundi und Rwanda gibt es wieder Rechtsverkehr. Für die Einreise benötigt man nur noch einen Corona Schnelltest, für weitere € 15,- , den es direkt an der Grenze gab. Beim Warten auf die Ergebnisse hatten wir die Möglichkeit, zu einem Kurs von 1 : 3200 Geld zu tauschen. Ich weiß immer noch nicht, ob der Kurs gut oder schlecht war, auf alle Fälle 60% besser als bei der Bank.

Danach ging es los zu unserem ersten Stopp, die Quelle des Nils. Ja, ich weiß, es gibt so einige Quellen des Nils, aber das ist eine davon. Anfangs konnten wir keinen großen Unterschied zu Westtansania ausmachen, aber je weiter man sich in das Landesinnere bewegt, umso schlechter wurden die Straßen. Alle Lasten werden auf einfachen Fahrrädern transportiert, oft bis zu 200 Kilogramm. LKW oder Fahrzeuge werden in der ländlichen Umgebung nicht genutzt. Auf dem kleinen Parkplatz unseres Zielortes wurden wir sehr skeptische beäugt, etwa 20 Personen schauten oder besser gesagt starrten uns an, gesagt hat aber keiner was. Ich denke, dass weiße Touristen selbst bei ausgeschriebenen Sehenswürdigkeiten selten anzutreffen sind. Ein Herr kam auf uns zu, stellte sich als Guide vor. Wir zahlten Eintritt und er sperrte uns das Areal auf, und schon besuchten wir die Quelle des Nils, wahrscheinlich die südlichste Quelle.

Einholung der Ausreisegenehmigung.

Wir mussten nach Bujumbura, die ehemalige Hauptstadt des Landes, aber immer noch Regierungssitz, um eine Genehmigung für eine der drei nördlichsten Grenzen zu Rwanda einzuholen. Die neue Hauptstadt ist seit 2018 Gitega. Ohne Genehmigung darf man das Land im Norden nicht verlassen. Seit den Präsidentschaftswahlen im Frühjahr 2020, die durch Corona und Gewalt geprägt waren, sind die Grenzen geschlossen. Man möchte sie aber bald wieder öffnen, da ohnehin jeder der einen Antrag stellt, eine Genehmigung erhält.

Unser erster Anlaufpunkt war das Sekretariat des Innenministeriums. Wir teilten unser Anliegen mit, dass wir die Grenze Kanyaru-Haut passieren möchten. Der Chefsekretär des Innenministers sagte: „Kein Problem, ihr müsst einen Antrag stellen“. Oh shit, und das auch noch auf Französisch. Mit Hilfe des Chief Secretary und Michas Schulfranzösisch stellten wir einen handschriftlichen Antrag an den Innenminister, den wir zusammen mit Pass- und Fahrzeugscheinkopien abgeben musste. Dann fragten wir erst, wann denn dieser genehmigt werden würde. Drei Tage war die Antwort. An unseren langen Gesichtern erkannte er wahrscheinlich, dass uns das zu lange war und er teilte uns mit, dass der Innenminister morgen da wäre und wir um 10:00 Uhr wieder kommen sollen.


Danach ging es zum Mittagessen, ins Café „Le Gourmand“. Eine kleine Blase mitten in Bujumbura, ein Restaurant, das sich wahrscheinlich noch nicht einmal 0,5% der Bevölkerung leisten kann. Es gibt feine französische Gebäckstücke, sogar Maccarones. Sowas haben wir schon lange nicht mehr gesehen. Wir machten es uns auf der Dachterrasse bei gutem Essen und Wlan bequem.

Auf kleinen, schlechten Schotterpisten fuhren wir so dann aus der Stadt. Nicht einmal die Haupteinfahrtsstraßen sind asphaltiert. Wir benötigten für 20 Kilometer etwa 2 Stunden. Dies lag nicht nur an den Straßenverhältnissen und an der Verkehrsdichte, sondern auch an den ranghöheren Abgeordneten. Fährt so jemand durch die Stadt, wird der gesamte Verkehr - der eh schon fast kollabiert - vollständig zum Stillstand gebracht, so, dass sich eine Eskorte von 10 bis 15 Fahrzeugen, bestehend aus Militär, Polizei, Krankenwagen und Luxus SUV´s zügig durch die Straßen bewegen kann. Was denken sich wohl die Personen in ihren Regierungsfahrzeugen, bequem im Fond ihres klimatisierten Fahrzeuges sitzend, wenn sie während der Fahrt in der eigenen Stadt auf holprigen Straßen das Elend aus dem Fenster betrachten? Denken Sie dabei vielleicht an das Nachbarland Rwanda, dem es wirtschaftlich deutlich besser geht? Beide Länder hatten dieselbe Ausgangslage. Aber dazu mehr ein einem anderen Bericht.

Irgendwann erreichten wir dann unser Ziel, eine Strandbar am Tanganjika See. Er ist mit 1470 Metern der zweit tiefste See der Welt. In 50.000 Millionen Jahren wird sich hier und am Rift Valley, Afrika aufteilen. Aber das nur am Rande.

Wir durften uns direkt an den Strand stellen und es dauerte nicht lange, bis ein Gast Namens Louis auf uns zukam. Wir unterhielten uns kurz und er wollte uns ein Bier ausgeben (die zweite Einladung nach über einem Jahr in Afrika). Wir lehnten freundlich ab und man konnte die Erleichterung in seinem Gesicht deutlich erkennen, also unterhielten wir uns weiter, nur ohne Bier.

Im Schutze der Nacht duschten wir für unseren morgigen Termin beim Minister. Am Morgen kämmte ich nach langer Zeit wieder einmal die Haare und sogar Haargel benutzte ich. Zur Krönung obendrauf zog ich ein frisches T-Shirt an, ganz ohne Flecken.

Um 8:00 Uhr ging es los. Es dauerte gar nicht lange, da wurden wir schon vom Militär aufgehalten. Wir gaben die geforderten Ausweise und Dokumente ab, natürlich nur in Kopie, mussten viele Fragen beantworten und die Situation wurde etwas unruhiger. Plötzlich schaute Louis durchs Fenster herein, begrüßte uns herzlich und wir redeten zwei Sätze. Dann ging er zu den Militärs, begrüßte sie ebenfalls herzlich, und redete auch zwei Sätze mit ihnen. Mit einem „Bon Voyage“ wurden uns unser Ausweiskopien überreicht, wir bedankten uns, erster Gang und weiter ging’s zum Minister.

Nach erneuten zwei Stunden Fahrt waren wir um Punkt 10:00 Uhr beim Innenministerium im obersten Stock. Der Chief Secretary erkannte uns gleich, bat uns in sein Büro und überreichte uns die Genehmigung. Aus irgendeinem Grund dachten wir bis dato, dass wir beim Innenminister direkt vorsprechen müssten, wahrscheinlich lag es an einem Missverständnis. Irgendwie enttäuscht den Minister nicht persönlich getroffen zu haben, aber dennoch überglücklich unsere Genehmigung erhalten zu haben. Damit waren wir aber noch nicht fertig. Wir fuhren weiter zur Einwanderungsbehörde, die die Genehmigung nochmals überprüfen und genehmigen muss. Man teilte uns mit, dass dies ein paar Stunden dauern würde. Auf dem Parkplatz machten wir uns das restliche Essen vom Vorabend warm und warteten. Nach drei Stunden kam aus Zimmer 106 eine Person, mit einem großen Stapel an Zetteln. Sie trug die Namen einzeln vor und als wir aufgerufen wurden, melde ich mich aus dem Hintergrund laut mit: „HIER“. Alle Augenpaare waren auf mich gerichtet, schweigen, danach wurde gelacht.

Mit der genehmigten Genehmigung in der Hand, fuhren wir aus Bujumbura. Natürlich wieder mit einem längeren Stau und einem Militärkonvoi aus den gewohnten 15 Fahrzeugen, der an uns vorbei donnerte. Einige Kilometer vor den Toren der Stadt, erhöhte sich die Militärpräsenz deutlich (die ohnehin schon sehr stark ist, eigentlich an jeder Ecke). Wir erblickten den neuen Palast des Präsidenten und schon fiel es mir wie Schuppen von den Augen, wohin unsere 90,-- Dollar für das Visum geflossen sind.

Die Irembo-Trommler

Meine Mutter sagte mir, dass es in Burundi eine tiefgründige Trommel Tradition gibt, also befolgten wir Muttis Ratschlag. Wir suchten wo sich das Trommel Sanctuary befand und fuhren hin. Vor Ort war nur eine Person und es wurde ein für beide Parteien ein fairer Preis für die Besichtigung ausgehandelt. Man zeigte uns traditionelle Hütten, Handwerkskünste, den Bau der Trommeln und erzählte uns einiges über das frühere Burundi. Micha musste immer fleißig übersetzten. In der Zwischenzeit versammelten sich gefühlt alle Männer des Dorfes, zogen sich um und holten ihre Trommeln. Wir mussten Platz nehmen und schon ging das Spektakel los, eine 30-minütige Trommel-Show. Der Platz füllte sich immer mehr und mehr mit Kindern, die an ein paar Stellen so kräftig mitsangen, dass man sich fast die Ohren zuhalten musste. Die Traditionellen Irembo-Trommler von Burundi waren definitiv eines unserer Highlights in Afrika. Ein Land, geprägt von Genozid, Korruption, Misswirtschaft und Menschenrechtsverletzungen. Und doch hat es so viel Freude an seiner Tradition.

Allgemein:

Es herrscht recht Verkehr und Französich ist Amtssprache. Überall im Land steht bewaffnetes Militär und man muss Wegzoll für Waren bezahlen, allerdings gilt das nicht für Touristen. Wir wurden insgesamt nur drei Mal aufgehalten. Einmal wurde das Fahrzeug auf Verkehrstauglichkeit überprüft, das heißt in Burundi, funktionierendes Licht, Blinker, Hupe und Scheibenwischer. Einheimische Fahrzeuge wurden ebenfalls geprüft.

Tankstellen gibt es kaum und sie führen nur selten Kraftstoff, sie sind mit Stacheldraht umzäunt. Sollte eine Tankstelle Kraftstoff führen, gibt es den nur in geringen Mengen und man muss lange warten. Also am besten mit vollen Tanks ins Land. Am Straßenrand wurde nur sehr wenig gebettelt. Alle Leute waren nett und hilfsbereit, schlechte Situationen gab es keine und wir fühlten uns auch nie unsicher, auch nicht, als wir einmal nachts in einem kleinen Ort zur Bar gingen, um Bier zu kaufen.

 

*Ob man jetzt Burundi bereisen möchte, muss jeder für sich selbst entscheiden. Bei Fragen bezüglich der genauen Antragstellung für die Einholung der Genehmigung um das Land im Norden zuverlassen, sind wir gerne behilflich, schreibt uns einfach an!


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