Kennwort: „Helgoland“

09.06.2021 von Micha & Meiky

Es schneite in der Nacht vor der Abfahrt und der Schlüsselübergabe an unsere neue Mieterin. Was auch sonst? Wir sind nichts anderes gewohnt. Sobald wir auf Reisen waren, meinte es das Wetter in den letzten Jahren oft nicht gut mit uns. Der große Vorteil dabei war, wir haben uns mit der Zeit schon daran gewöhnt. Kälte macht uns nicht mehr viel aus. Bei Regen stellen wir uns nicht einmal mehr unter. So war es uns dann auch egal, dass der April der schlechteste seit 30 Jahren war. Auch der Mai sah nicht besser aus.

Wir hatten uns entschieden, erstmal in Deutschland und Europa zu bleiben. Letztendlich haben wir es aber gar nicht aus Deutschland heraus geschafft. Die ersten 10 Wochen pendelten wir zwischen München, dem Saarland und dem Bayerischen Wald hin und her. Besuchten Freunde, Eltern und Geschwister. Viel zu sehen und entdecken gab es für uns in den ersten zwei Monaten unserer Langzeitreise leider nicht, da wir all diese Gegenden kennen. Dennoch stand immer mal wieder eine Sehenswürdigkeit auf dem Zettel, die wir noch nicht gesehen haben. Auch ein bisschen Overlander Feeling erlebten wir im Bayerischen Wald: mit Silkroadmarriage ein paar geruhsame Tage am Bach mit Lagerfeuer, Pizza und Gin Tonic.

 

Doch plötzlich ging es ganz schnell: wir buchten für den Landy ein Frachtschiff nach Port Elizabeth, Südafrika. Die Entscheidung fiel darauf, ihn „RoRo“ zu verschiffen und nicht wie anfangs geplant im Container.

Zum Verschiffen ging es zügig in den hohen Norden. Mit ein paar Abstechern fuhren wir nach Bremerhaven und stellten fest, dass die Suche nach schönen und geeigneten Plätzen zum Übernachten in Thüringen, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen deutlich einfacher ist, als in Bayern. Viele Forst- und Schotterwege dürfen befahren werden und es waren nur wenige Menschen draußen unterwegs.

Nahe Bremen stellte uns Fred, der Eigentümer des Autohauses Meyer GmbH eine Halle seiner Werkstatt für zwei Nächte zu Verfügung. Das war perfekt für uns, um im Trockenen entspannt alles Notwendige für die Verschiffung einzuläuten. Das Wetter war, wie bereits erwähnt, zu dieser Zeit nicht sehr berauschend und den Landy im Regen vorzubereiten, wäre wirklich kein Spaß gewesen. Wir machten alles niet- und nagelfest, zogen Sicherungen und säuberten manches noch einmal. An dieser Stelle möchten wir uns nochmal sehr herzlich bei Fred für seine Gastfreundschaft und das Vertrauen bedanken, uns seine Werkstatt für zwei Tage kostenfrei zur Verfügung zu stellen. Natürlich bedanken wir uns auch bei Tino Behrens, von der Bäckerei Behrens, der uns noch Reiseproviant, auch in flüssiger Form, mit auf den Weg gab.

Dann war endlich der Tag der Verschiffung gekommen: erstmal direkt zum Zoll in Bremerhaven, Carnet de Passage abgeben (wer uns auf der Seidenstraße verfolgt hat weiß, dass ein Carnet ein Zolldokument ist, sozusagen der Reisepass für das Fahrzeug.)

Danach wurde es skurril. Bei der Anmeldung für die Einfahrt in das Hafengelände mussten wir schnell feststellen, dass unzählige LKW Fahrer vor uns anstanden. Vor dem Gebäude war ein Zelt aufgebaut worden, damit alle - C-19 konform - in Sicherheit draußen warten konnten. Dort erhielten wir von der Security ein klitzekleines Papierfetzelchen (an dieser Stelle ist ein Deja-vu übrigens nicht verwunderlich…) mit einer handgeschriebenen Nummer 41 drauf. Doch aussagen tat diese Nummer überhaupt nichts. Zusätzlich zur Nummerierung gab es nämlich Personen mit einem Priorisierungscode, die immer dazwischen geschoben wurden. Gefühlt hatte jeder einen solchen Code - außer uns. Bei genauerer Nachfrage teilte uns unser Agent am Telefon mit, Priocodes gäbe es ausschließlich für Firmen. So kam es, dass wir pro Stunde teils nur ein bis zwei Plätze nach vorne rückten. Der clevere Mathematiker konnte sich ausrechnen, dass wir bei diesem Tempo erst am Nachmittag des nächsten Tages dran gewesen wären. Die, auf unserer to-do Liste der Verschiffungsagentur, angepriesenen insgesamt 1-2 Stunden, bis zur Abgabe des Fahrzeuges, rückten in weite Ferne. Nach drei Stunden hatten wir die Schnauze voll. Nochmals Stress beim Agenten gemacht und kurze Zeit später erhielten wir den lang ersehnten Anruf. „Ihr Kennwort lautet: Helgoland.“ Mit dem Gefühl gerade verarscht zu werden, gingen wir zurück zum koordinierenden Security Mann. Wie im Agentenfilm flüsterten wir ihm zu: „Kennwort: Helgoland“. Und was soll man sagen, zehn Minuten später standen wir mit dem Landy im abgesperrten Hafengelände und wurden weitere zehn Minuten danach zum endgültigen Abstellort gebracht. Ja, es hätte wirklich alles auch in einer Stunde über die Bühne gebracht werden können.

Da standen wir also: mit zwei kleinen gepackten Taschen ohne Landy, etwas verloren vor dem Hafen. Ein Taxi brachte uns zum Hauptbahnhof, um nach Bremen ins Select Hotel zu gelangen. Dort buchten wir uns für drei Nächte ein. Erst mal runter kommen vom Verschiffungsstress und kurzfristig überlegen, wie die Reise ohne Camper nun weitergehen könnte. Zu Beginn unserer Tour Ende März, gab es noch jede Menge C19-Reglementierungen. Da sie sich aber täglich änderten, entschieden wir, mit Buchungen für Flug, Ferienwohnung, Hotel, etc. so lange wie möglich zu warten und hatten Glück. Das einstige Beherbergungsverbot für Nicht-Niedersachsen wurde aufgehoben und wir konnten uns eine Ferienwohnung auf der Insel Juist buchen. Unser Plan war es, erstmal im Norden nahe Bremerhaven zu bleiben. Das Ganze für den Fall, falls es Schwierigkeiten mit der Verschiffung geben würde. So hätten wir schnell handeln und zügig wieder vor Ort im Hafen sein können. Nicht zuletzt fiel die Entscheidung auf Juist, wegen Meikys schönen Kindheitserinnerungen.

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